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Erfahrungen
mit E-Mail im Unterricht
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- Michael
Junge, Hölters-Schule (bis Jan. 98) - immer noch aktuell!!
Hintergrund:
Partnerfindung
Planung
Resultat
nach einem halben Jahr
Erfolg
und Mißerfolg
Konsequenzen
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- Seit Mitte 1996 ist die
Hölters-Schule in Villa Ballester/Argentinien an das
Internet angeschlossen (E-Mail-Adresse: hoelters@overnet.com.ar) und im WWW auch mit einer
eigenen Homepage vertreten (http://home.overnet.com.ar/hoelters/).
Im Rahmen unseres
Informatik- bzw. DaF-Unterrichts haben wir (Gottfried
Thomas und Michael Junge) versucht, E-Mail-Kontakte
zwischen unseren argentinischen Schülern und
Schulklassen in Deutschland aufzubauen. Zur Vorbereitung
des E-Mail-Projekts (Planung und Durchführung) dienten
uns u.a. die Web-Seiten des Goethe-Instituts http://www.goethe.de und des Offenen Hamburger
Schulservers http://www.hh.schule.de.
Dank der Vermittlung von Reinhard Donath vom Gymnasium
Ulricianum in Aurich/Ostfriesland, der im Auftrag des
Goethe-Instituts Klassenpartnerschaften zwischen Schülern in
Deutschland und im Ausland initiiert, gelang es in
wenigen Wochen, via E-Mail Kontakte zu acht Schulen
(berufsbildende Schulen, Gesamtschulen und Gymnasien) im
norddeutschen Raum, Thüringen und Rheinland-Pfalz
herzustellen. Nach einem intensiven Austausch der Ideen
und Vorstellungen bezüglich des E-Mail-Projekts hätten
anschließend die Schüler miteinander den Kontakt
aufnehmen sollen.
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Geplant war:
- Als beteiligte
Gruppen wurden Schüler der 11. und 12. Klassen
ausgewählt. Bei uns liegt die 11.Klasse zwischen
den Prüfungen zum 1. und 2.Sprachdiplom, so daß
uns genügend Zeit für ein E-Mail-Projekt
bleibt. In diesem Alter ist bei den Schülern
ausreichende Sprachkompetenz vorhanden. Besonders
motiviert wird ein Teil der Schüler durch den
bevorstehenden Schüleraustausch mit Deutschland.
- Als
Kommunikationssprache wurde Deutsch gewählt. Die
Partnerklassen sollten aus Deutschland sein.
Mögliche Alternativen (Kontakte mit einer
Spanisch-Lerngruppe in Deutschland, wobei jede
Gruppe in ihrer Fremdsprache schreibt; Kontakte
zu DaF-Gruppen in Deutschland bzw. anderen
Ländern) wurden bedacht, aber zunächst
zurückgestellt.
- Nach der
Planung durch die Lehrer (Phase 1) sollten die
Schüler zunächst in Gruppen sich selbst, ihre
Schule, ihre Stadt usw. vorstellen (Phase 2).
- Anschließend
war an ein gemeinsames Unterrichtsprojekt gedacht
(Phase 3). Von unserer Seite waren Themen aus der
vergleichenden Landeskunde (Geschichte,
Geografie) und der Informatik vorgeschlagen
worden.
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Das Resultat nach
einem halben Jahr:
- Drei Schulen
ließen die anfänglichen Kontakte im Sande
verlaufen. Schülerbriefe unsererseits blieben
unbeantwortet.
- In drei
Fällen schrieben sich Schülergruppen Briefe; da
dies aber erst kurz vor den hiesigen großen
Ferien geschah, konnten keine Antworten mehr
verfaßt werden.
- Mit zwei
Schulen (einer 7.Gymnasialklasse und einer
Mittelstufen-Computer-AG) entwickelte sich
spontan und unkompliziert ein reger Briefwechsel,
der erst durch unsere großen Ferien gestoppt
wurde. Dem Briefwechsel mit diesen Schulen war -
im Gegensatz zu den anderen - kein Lehrerkontakt
vorausgegangen. Dadurch gab es keinen Rahmen, der
einzuhalten war. Die Unterstützung von
Lehrerseite beschränkte sich darauf, bei Bedarf
inhaltliche Anregungen zu geben und den Versand
und Empfang der E-Mails abzuwickeln. Thematisch
bildeten sich als Schwerpunkte heraus: Hitparade,
Lehrer, Jungen und Mädchen, Tanzen etc.
- Die Mädchen
waren in allen Altersgruppen die Aktiveren. Das
deckt sich mit unseren Erfahrungen bei der
Textproduktion im DaF-Unterricht und entspricht
auch dem Anteil der Mädchen an herkömmlichen
Brieffreundschaften. Gerade jüngere Mädchen
hatten auch keine Probleme im Umgang mit der
spezifischen Software für das Schreiben und
Vorbereiten der E-Mails.
- Die oben
angeführte Phase 3, die ein
gemeinsames Unterrichtsprojekt beinhalten sollte,
ist in keinem Fall erreicht worden.
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Vermeintliche
Ursachen für Erfolg und Mißerfolg:
- Wir dachten,
wir hier in Argentinien sind die Anfänger, und
die da drüben in Deutschland alte
Internet-Hasen. Irrtum: auch in Deutschland
fängt man in den meisten Fällen erst jetzt mit
Internet-gestützten Unterrichtsprojekten an. Und
wenn zwei Blinde (im besten Fall Einäugige) sich
zusammentun, muß man sich von vornherein auf die
Möglichkeit eines eventuellen Scheiterns
einstellen.
- Daß
die Deutschen zuverlässig (oder
zumindest zuverlässiger als andere) sind,
gehört zu den Stereotypen, die selbst von
Deutschen nach längerer Abwesenheit von zu Hause
nur allzuoft für die Wirklichkeit gehalten
werden. Die Mehrzahl unserer Partner drüben hat
nach unserer Erfahrung nicht das für ein
derartiges Projekt nötige Engagement und die
erforderliche Disziplin aufgebracht. Oft ist es
bei luftigen Ideen und blumigen Versprechungen
geblieben.
- Die E-Mail ist
schnell und billig. Dies entbindet auch den
Verfasser eines Briefes von dem Zwang, längere
Texte schreiben zu müssen. Eine E-Mail kann
problemlos nur einen Satz enthalten; sie ist in
Sekunden beim Empfänger und kostet praktisch
nichts. Gerade die Schnelligkeit der E-Mail ist
für die Schüler außerordentlich motivierend.
Umgekehrt: wer seine Schüler in wochenlanger
Arbeit ellenlange E-Mails ausarbeiten läßt,
läßt den Empfänger unnötig lange warten und
entmotiviert ihn.
- Die Schüler
in Deutschland sind oft nicht auf die Briefe der
Partnergruppen eingegangen. Das ist gerade für
die DaF-Gruppen, die ihre Briefe mit einem
erheblichen Arbeitsaufwand produzieren,
entmutigend.
- Viele unserer
Schüler arbeiten nur dann, wenn sie in Form von
Noten dafür belohnt werden. Wenn man
sich als Lehrer darauf einläßt (und oft bleibt
einem nichts anderes übrig), sollte man
keinesfalls Noten für die einzelnen Briefe
geben. Die Basis für das Briefeschreiben sollte
immer die Neugier auf das sein, was der Partner
mitzuteilen hat. Möglich wäre eine Note zum
Abschluß eines mehrwöchigen E-Mail-gestützten
Projekts, wenn beispielsweise die durch den
Briefwechsel gewonnenen Informationen ausgewertet
werden.
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