Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft
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Klassenräume verwandeln sich in Jugendzimmer (04. März 98)

Zugang zum Internet verwandelt die Schule / ON- Gespräch mit Fremdsprachen-World-Wide-Web-Guru Reinhard Donath

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(Bild: Völckner)

Der schnelle Zugriff auf Informationen über das Internet verändert die Schule. Reinhard Donath, Lehrer am Ulricianum, ist an dieser Veränderung entscheidend beteiligt.

wit Aurich. In der neunten Klasse müssen sich die Englisch-Schüler mit dem Schulleben im englischsprachigen Raum befassen. War es bislang notwendig, diese Unterrichtseinheit (wie alle anderen auch) am Leitfaden eines Lehrbuchs zu absolvieren, so ist es heute ein Leichtes, die Schüler via Internet mit den homepages der Schulen in aller Welt zu konfrontieren. Der Vorteil liegt auf der Hand:

Mit Hilfe des Lehrbuches kann das Wissen der Schüler kaum über einige, häufig auch noch veraltete Allgemeinplätze hinaus befördert werden, während das World-Wide-Web (WWW) sie mit einer Schulwirklichkeit konfrontiert, und das dazu nicht in einem Lehrbuch-Englisch. Für die Schüler, denen die Informationen der homepage nicht reichen besteht darüber hinaus sogar die Chance, über eine e-mail um Details zu bitten: aus dem Englisch Lernen wird dann im Handumdrehen, Englisch Sprechen.

Reinhard Donath erzählt, daß die Schüler, nachdem sie mehrere Stunden homepages gelesen hätten, wünschten, frei im Internet zu surfen. Diesem Verlangen sei nachzugeben. „Die Schüler suchen dann nach Seiten über Brad Pitt oder Madonna stellen fest, die überwiegende Mehrzahl dieser Seiten ist in Englisch verfaßt. Etwas besseres kann es für einen Englischlehrer kaum geben."

Donath gehört zu den ersten, die die Chancen der weltweiten Vernetzung für den Fremdsprachenunterricht erkannten. Schon als vom Internet nur die Kühnsten träumten und es erst einmal um die Versendung von elektronischer Post ging, nahm er Kontakt zur Schulen in England und den USA auf, um Schülern den E-mail-Austausch zu ermöglichen. Damals (das ist vielleicht fünf Jahre her, aber doch schon Steinzeit) wurden die Nachrichten nicht sofort übertragen, sondern zwischengeparkt und nachts, wenn eine Leistung frei war, versendet. Heute hingegen ist die direkte Kommunikation möglich; und wenn man die notwendigen Computerprogramme besitzt, dann kann man auch über das Internet telefonieren – zum Ortstarif nach San Fransisco.

Mittlerweile ist Donath so etwas wie der Schul-Internet-Papst oder Fremdsprachen-World-Wide-Web-Guru in Deutschland. „Internet und Englischunterricht" heißt sein neustes Buch, daß 1997 in einer vom ihm herausgegebenen reihe „Computerunterricht in Fremdsprachen" erschien. „10000 Schulen ans Netz ist das Ziel des Wissenschaftsministers in Bonn. Der Klettverlag hat erkannt, dort ist eine Marktlücke und hat die neue Reihe aus der Taufe gehoben," erklärt Donath.

In dem Gespräch mit den ON sagte er, die neuen Medien hätten nicht nur den Vorteil, den Schüler statt mit dem Lehrbuch mit authentischem Material zu konfrontieren, sondern verlangen vom Schüler auch, selbständig zu lernen. Wenn die Schüler zum Beispiel homepages englischer Schulen bearbeiteten, dann ja nicht eine, sondern in Gruppen mehrere. Die Schüler eigneten sich verschiedene Informationen an und lernten dabei unterschiedliche Vokabeln. Aufgabe des Lehrers sei dann, diese verschiedenen Informationen im anschließenden Unterrichtsgespräch wieder so zusammenzuführen, daß am Ende der Lerneinheit jeder Schüler ungefähr das gleiche wisse. Die Lehrerrolle verändere sich dadurch erheblich.

Und noch einen Vorteil sieht Donath in der neuen Technik: Man könne den Unterricht sehr viel einfacher den unterschiedlichen Leistungsvermögen der Schüler anpassen. „Nehmen Sie eine Unterrichtseinheit zum Bürgerkrieg in Irland. Da kann eine Gruppe in der Irish-Times auf normalem sprachlichen Niveau nachlesen, wie es mit den Friedensgesprächen steht; und diejenigen, die zum Beispiel ein Jahr in den USA waren, können den (elektronischen) Guardian in die Hand nehmen, um auf höherem sprachlichen Niveau eine tieferschürfende Analyse über die Chancen der Friedensbemühungen zu lesen." Die Aufgabe des Lehrers sei dann wieder, im gemeinsamen Unterricht den Informationsaustausch so zu organisieren, daß jeder von der unterschiedlichen Arbeit des anderen profitiere.

In seinem Buch schlägt Donath den Fremdsprachen-Lehrern aber nicht nur vor, den üblichen Unterrichtseinheiten durch die Nutzung des Internets ein völlig anderes Gesicht zu geben, sondern auch, neue Themenfelder zu erschließen. Das World-Wide-Web ermögliche es dem Lehrer, seine Schüler dort abzuholen, wo sie ständen; wenn das Interesse für Schauspieler, Filme und Musik schon so groß sei, warum darauf nicht den Unterricht aufbauen, ist das Motto für die Einheit „Teen Culture: Music-groups & films". Die Menge des authentische Material sei riesig, schreibt Donath, der gleich auch eine Vielzahl von Internet-Adressen dazu gibt. „Am Ende eines solchen Projektes zur Teen Culture könnten die Wände des Klassenraumes aussehen wie die Zimmer der Schüler, wenn die Gruppenergebnisse alle auf Wandzeitungen präsentiert werden."

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Bildtext: Blick in ein Klassenzimmer der Zukunft, wie es Heide Völckner in Reinhard Donaths neustem Buch entworfen hat. Für Donath ist der Computer nicht alleinseligmachend. Der Internet-Anschluß gehört für ihn zwar in jedes Klassenzimmer, doch ist er ein Medium unter vielen. Das Buch und das Gespräch gehören weiter dazu.

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Englischunterricht in der Informationsgesellschaft

© Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft 1997 ff. - Stand: 24-04-99