- Die
Geschichte der Schwarzen von Europäern gesungen
- Auricher Neue Töne und Shosholoza
bieten interessantes Programm
il Aurich. Es ist doch
gewöhnungsbedürftig, wenn auf einmal weiße Menschen, die
ganz klar als Europäer zu erkennen sind, auf der Bühne
stehen und südafrikanische Lieder singen und sich dazu so
ganz anders bewegen als Europäer es normalerweise tun. Aber
das Publikum im Forum der Integrierten Gesamtschule West (IGS)
in Aurich schien das Programm zu kennen, zumindest aber zu
mögen. Denn Beifall gab es am Sonnabendabend genug für den
bekannten Auricher Chor "Neue Töne" und vor allem
für das Bremer Chorprojekt Shosholoza.
Wenn man sich die Geschichte der beiden
Chöre anschaut, dann ist es auch nicht mehr ganz so
befremdend. Vor allen Dingen ist es ein guter Ansatz. Die
Auricher Neuen Töne haben sich 1987 zusammengefunden, um
gegen die Apartheid in Südafrika zu singen und den
Befreiungskämpfern des ANC ihre Unterstützung zu zeigen.
Damals studierten sie südafrikanische Lieder ein, um sich zu
solidarisieren. Die Neuen Töne haben in den vergangenen
Jahren viele verschiedene Projekte gemacht, unter anderem das Tucholsky-Programm
oder auch ein Krimi-Programm.
Der Bremer Chor hat sich aus der gleichen Absicht heraus
gebildet, beschäftigt sich aber bis heute vor allem mit
Südafrika. Und wird es solange tun, bis "auch die Folgen
der Apartheit überwunden sind".
An der IGS traten die Chöre gemeinsam
und getrennt auf, um alte und neue Lieder zu singen. Vor allem
ging es darum, die Geschichte der Schwarzen zu erzählen aus
der Zeit der Unterdrückung und der jungen Demokratie, die
noch weit von wirklicher Gleichstellung entfernt ist.
Gelungen waren vor allem die
schnelleren, rhythmischen Lieder. Da kamen die vollen Stimmen
der Sänger toll zur Geltung. Die langsamen Lieder erinnerten
teilweise jedoch eher an europäische Chorlieder, vor allem,
wenn hoch gesungen wurde.
Zu jedem gab es eine inhaltliche
Erklärung, was gut war, denn so konnte man versuchen, sich
vorzustellen, aus welcher Situation heraus die Lieder
entstanden sind.
Die Bremer Sänger wirkten etwas
professioneller als die Auricher. Vielleicht, weil es mit 40
Musikern mehr Aktive waren. Vielleicht auch, weil sie sich
sehr intensiv mit Südafrika auseinandersetzten und vor
einigen Jahren auch mal gemeinsam dort waren. Was man auf
jeden Fall allen anmerkte, besonders bei den gemeinsam
gesungenen Stücken, ist die Begeisterung für die Sache. Und
deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn es teilweise etwas
gewöhnungsbedürftig war.
Ostfriesen
Zeitung -29. Mai 2000 |