Statt
Palmen lieber ein blondes Kind
Chöre-Konzert
kommt beim Publikum gut an/Zehnjähriges
Bestehen der "Neuen Töne"
von Stefan
Ulrichs
Aurich.
"Ich fühle mich wie aufgespießt.
Dieses Kribbeln läßt mich nicht los."
Liebe? Oder gar ein Lottogewinn? Keines von
beiden. Der Chorwurm aus Emden singt über
das, was wohl jeder Künstler an diesem Abend
verspürt: Lampenfieber.
Ein starker
Auftakt für das Chöre-Konzert und die Fete
in der Auricher Stadthalle. Gleich vier
Chöre bringen den "Neuen Tönen"
aus Aurich zum zehnten Geburtstag ein paar
Ständchen aus ihren Repertoires. Und das
kann sich beim "Chorwurm" sehen
lassen. Die Sänger bringen bekannte Titel
wie "Route 66", "Yellow
Submarine" bis hin zu Stücken aus dem
Film "Sister Act". Dabei gelingt es
dem Chor gut, die Solo-Titel in Chorstücke
umzusetzen.
An dieses Level
kommt "Take Jazz" nicht heran. Dem
jungen Chor fehlen kräftige Stimmen. Mancher
Ton geht bei "Dream Away" daneben.
Ein gutes und interessantes Zusammenspiel
gibt es, als sie von ihren Norder Kollegen
"Da Capo" unterstützt werden. Mit
einer sehr guten Stimme fällt hier der
Solist Matthias eindeutig heraus.
Kräftig
klatschen, trampeln und peifen die Zuschauer
in der proppevollen Halle nach dem swingenden
Auftakt von "Coro Piccolo". Zu
recht. Deren Repertoire ist vielseitig, die
Stimmen voll. Es gibt keinen, der bei der
Parodie auf die "Capri-Fischer"
nicht lachen muß. Ganz still wird es
dagegen, als die Wilhelmshavener eine Ballade
singen: "Nothings gonna change my
love for you".
Dann wird es
dunkel. An einem Draht kommt ein Mond von der
Decke. Bäume, Hasen und Rehe aus Pappe
werden auf die Bühne gestellt. Für die
"Neuen Töne". Die bieten den
Zuschauern kabarettistische Einlagen vom
feinsten. Deutsche Volkslieder gehören dazu.
"Wir sind Bergvagabunden, die statt
Palmen ein blondes Kind mögen." Was
sonst? Nur daß die Texte mancher Volkslieder
völlig anders klingen. Aus dem "guten
Mond, der so stille geht" wird eine
Geschichte um den guten Mann. Doch der kommt
dabei nicht so gut weg. Die Zuschauer
verstehen die Ironie, lachen über die
Darstellung der Werte, die vor mehr als
fünfzig Jahren noch unantastbar waren.
Ostfriesen
Zeitung 17. 11. 1997 &
Ostfriesische Nachrichten 18. 11. 1997

Tosenden
Applaus ernteten die "Neuen Töne"
während des Chöre-Konzerts vom Auricher
Publikum. In ihrem Showteil nahmen sie unter
anderem den "deutschen Mann" und
die Heimatverbundenheit der Deutschen auf's
Korn
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