Aurich
10.03.2007
„Neue Töne“ bitten zum „Tango Mortale“
Von Günther Niet
KULTUR Chor aus Aurich beschäftigt sich im
aktuellen Programm mit jiddischer Musik aus den Ghettos
Die Sängerinnen und Sänger gehen auf Konzertreise durch
Kirchen. Premiere ist am 17. März.
Aurich
- Seit 20 Jahren gibt es jetzt den Auricher Chor „Neue Töne“.
Anlass für Gründer und Chorleiter Heinrich Herlyn mit dem
neuen Programm „Tango Mortale“ auf eine kleine
Konzertreise zu gehen. Der erste Auftritt ist am 17. März
in der Lambertikirche in Aurich.
Es sei für den Chor durchaus ein Experiment, in ein
Gotteshaus statt in neutrale Räumlichkeiten zu gehen, sagt
Herlyn. „Ich denke aber schon, dass die Kirche ein
passender Ort für das Singen und Vortragen jiddischer
Lieder ist.“ Einen Schwerpunkt im neuen Programm bildet
die Musik aus den osteuropäischen Ghettos während der
Nazibarbarei. Für die jüdischen Menschen habe damals der
Tango eine große Rolle gespielt. „Dessen Leichtigkeit und
Melancholie hat sich in den jiddischen Liedern mit der
harten Realität von Unterdrückung und Verfolgung
verbunden.“
Gerade dieser „Ghetto-Tango“ sei ein Ausdruck von
Widerstand gewesen, erläutert der Chorleiter. Die Musiker
und Künstler unter den eingepferchten Menschen in Warschau,
Lodz und Wilna hätten mit ihrer Musik den Hoffnungslosen
ein Gefühl der Würde und Menschlichkeit zurückgegeben. Im
ersten Teil des Konzertes wird der Chor jiddische Lieder präsentieren,
die auch unter dem Begriff Klezmer-Musik bekannt sind. Das
seien Lieder und Texte voller Lebensfreude und Fröhlichkeit.
Herlyn: „Man muss in einem Programm immer eine gewisse
Balance zwischen leichter und schwerer Kost halten.“
Eineinhalb Jahre hat der Chor an dem Programm „Tango
Mortale“ gearbeitet. Die 25 Sängerinnen und Sänger müssen
alle jiddischen Texte im Kopf haben, denn Textvorlagen gibt
es bei den Auftritten der „Neuen Töne“ nicht. Für eine
passende Mimik- und Gestiksprache zu den Liedern habe man
sich professionelle Anleitung geholt, so Herlyn. „Neue Töne“
ist auch ein politischer Chor. Er hat seit seinem Bestehen
immer wieder engagiert Stellung bezogen. Wie unter anderem
bereits die Apartheid in Südafrika angeprangert wurde, soll
auch mit dem neuen Programm jedweder Form von Rassismus die
rote Karte gezeigt werden. Der Chor unterstützt die
Initiative für einen weiteren Gedenkstein am Auricher
Synagogenplatz und lässt den Erlös des Konzertes in dieses
Projekt fließen. Zu den Auftritten gehört eine kleine
Ausstellung des Künstlers Ricardo Fuhrmann (Norden). Er ist
jüdischer Abstammung. Weitere Auftrittstermine: 14. April,
Neue Kirche Emden; 21. April, Reformierte Kirche Norden; 12.
Mai, St.-Barbara-Kirche Strackholt.
Quelle: Ostfriesen Zeitung - 10. März 2007
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