20.03.2007
Jiddische Lieder gegen das Vergessen
KONZERT Chor „Neue Töne“ sang in der Auricher
Lambertikirche
„Tango Mortale“ heißt das Programm zum 20-jährigen
Bestehen. Anderthalb Jahre lang wurde geprobt.
Aurich / NI - Ungewohnte Töne und Themen in sein Repertoire
aufzunehmen, zeichnet den Auricher Chor „Neue Töne“
aus. Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens stellte er am
Sonnabend in der Lambertikirche sein neues Programm „Tango
Mortale“ vor.
Eineinhalb Jahre lang hatten sich die Chormitglieder
zusammen mit ihrem Leiter Heinrich Herlyn auf das Singen und
Vortragen jiddischer Lieder aus Osteuropa vorbereitet.
Jiddische Gesänge, eher unter dem Begriff Klezmer-Musik
bekannt, bildeten den Schwerpunkt des ersten Programmteils.
Es sind Lieder voller Lebensfreude und Sehnsucht : aber auch
über Brauchtum und Sitten der Menschen, die diese Sprache
pflegten und noch heute pflegen, finden in den Texten ihren
Platz.
Mit seinem Programm „Tango Mortale“ setzte der Chor
allerdings auch ein Zeichen gegen das Vergessen der
jiddischen Musik, die in vielen osteuropäischen Ghettos
entstand, in denen die jüdische Bevölkerung während der
Nazi-Herrschaft eingepfercht war. Trotz schlimmster
Bedingungen und den Tod ständig vor Augen, hatten jüdische
Künstler und Musiker für die eingesperrten Menschen
Konzerte und Aufführungen gegeben : auch als Ausdruck von
Hoffnung und Widerstand. Dabei spielten besonders die
Melancholie und Leichtigkeit des argentinischen Tangos für
die geschundenen Menschen eine wichtige Rolle.
Nicht nur der professionelle Gesang des Chores „Neue Töne“
fand am Sonnabend in der fast voll besetzten Kirche viel
Beifall und Anerkennung. Die Inszenierung gab den jiddischen
Liedern, die alle in Originalsprache gesungen wurden, die
angemessene Würde und Authentizität. Die Interpretationsstärke
einzelner Chormitglieder, dazu passende Mimik und Gestik
beim Gesang, ließen die Lieder lebendig werden und deren
Bedeutung für das Leben der Menschen in den Ghettos
erahnen.
Ein unterhaltsamer Liederabend wurden den Besuchern in der
Lambertikirche geboten, ohne dabei Nachdenklichkeit und
Erinnern zu vergessen. Eine kleine Ausstellung zum Thema
„Tango“ des Norder Künstlers Ricardo Fuhrmann, der jüdischer
Abstammung ist, ergänzte das Konzert der „Neuen Töne“.
Mit dem Erlös der Veranstaltung unterstützt der Chor die
Initiative für einen weiteren Gedenkstein am Auricher
Synagogenplatz. Am Sonnabend, 14. April, tritt „Neue Töne“
in der Neuen Kirche in Emden auf. "
Eine Ausstellung zum Thema Tango ergänzte das Konzert
Quelle: Ostfriesen Zeitung - 20. März 2007
|