Na wenn der Autor schon so fragt, kann's
ja nur einen didaktischen Mehrwert geben, oder? Stimmt, der aber
stellt sich erst richtig ein, wenn Lehrende und Lernende Kompetenzen
beherrschen, die nicht nur sprachliche sind, sondern immer auch
unterrichts- und medienpraktische. Na also, da haben wir ja schon
das Problem, denn meine Lernenden sind doch immer wesentlich fitter
im Umgang mit Computer, Internet & Co, also brauche ich doch gar
nicht erst das Lehrbuch aus der Hand zu legen.
Doch, manchmal bietet es sich schon an, aber nur das Lehrbuch wird
in bestimmten Phasen aus der Hand gelegt, nicht die Kompetenz der
Lehrenden, Unterrichtsstunden und Lernarrangements so zu gestalten,
dass Lernen mit Computer und Internet gewinnbringend stattfinden
kann, also wirklich ein didaktischer Mehrwert feststellbar ist.
Was macht denn die Internetarbeit im Fremdsprachenunterricht so
anders? Meiner Erfahrung nach sind es vor allem die individuellen
Möglichkeiten, Lernprozesse und Lernen eigenständig zu bestimmen:
eigene Schwerpunkte zu setzen bei der Erarbeitung und Verarbeitung
von Themen, landeskundlichen Informationen, Webseiten. Das geschieht
nicht notwendigerweise allein, sondern gerade im fremdsprachlichen
Klassenraum meist zu zweit oder in kleinen Gruppen, die sich
arbeitsteilig mit einem Thema auseinandersetzen und vor allem mit
WWW-Seiten arbeiten. Dabei ist immer das Sprachenlernen als aktiver,
rezeptiver wie produktiver, bewusster Prozess eingebunden in die
Arbeit mit dem WWW, die für die meisten Lernenden bereits
Normalität des Alltags ist. Medien-/Internetkompetenz nämlich
haben die Lernenden zumeist, aber auf Webseiten in der Fremdsprache
sind sie wohl eher selten unterwegs und ein bewusster
Sprachlernprozess findet dabei auch nicht automatisch statt. Schade
eigentlich, denn dann hätten wir ja fast paradiesische
Verhältnisse. Solange das aber nicht der Fall ist, solange also
noch kein Funknetzwerk zwischen Computer und menschlichem Hirn die
individuelle Lern-Arbeit übernimmt, ist es Aufgabe der Lehrenden,
Lernarrangements im Fremdsprachenunterricht zu schaffen, in denen
Lerner ihren individuellen Interessen folgen können. Sprachliches
und methodisches Lernen bei der Arbeit mit dem WWW werden
entsprechend von den Lehrenden strukturiert und begleitet. Wenn Sie
bereits Erfahrungen haben mit der Integration des WWW in den
Deutschunterricht, zum Beispiel zur Informationsbeschaffung oder mit
E-Mail-Projekten, dürfte Ihnen auch schon die Einsicht gekommen
sein, dass "Klick doch mal" oder "Zeig doch mal die
Webseite" nichts mit Lernen oder gar fremdsprachlichem
Lernzuwachs zu tun haben. Klare Aufgaben, ein festgelegter
Zeitrahmen, situationsbezogene Wortschatz- und Grammatikarbeit und
mündliche oder schriftliche Präsentationen begleiten
WWW-Aktivitäten - also unterrichtspraktische Methoden wie im
traditionellen Unterricht, der Computer & Internet nicht nutzt.
Gerade bei Internetaktivitäten sind es maßgeblich die Methoden der
inhaltlichen und sprachlichen Erarbeitung von Informationen sowie
deren Verarbeitung (lesen, verstehen, eigenständig formulieren) und
Präsentation, die im Mittelpunkt des fremdsprachlichen
Lernprozesses stehen sollten. Vor allem in diesen Phasen ist
Spracharbeit, also bewusstes Sprachenlernen, gefragt. Dass in diesen
Arbeitsphasen auch andere Methoden möglich und notwendig sind, wird
bei umfangreicheren WWW-Projekten deutlich, in denen Lerner längere
Zeit eigenständig arbeiten. Bevor darauf näher eingegangen wird,
zunächst einige Spots auf bisherige WWW-Aktivitäten und sich
abzeichnende Weiterentwicklungen.
Ich sehe zur Zeit bei Kolleginnen und
Kollegen in vielen Ländern drei größere Anwendungsbereiche, in
denen das Internet einen didaktischen Mehrwert bietet, um diesen
kapitalen Begriff zu benutzen:
- Projekte mit anderen
Deutschlernern auf digitalen Plattformen
- WWW-Projekte, die das Lehrbuch
ergänzen
- WebQuests als autonomere
WWW-Projekte
1. Projekte mit anderen
Deutschlernern auf digitalen Plattformen
Werfen wir zunächst einen Blick auf
Kommunikationsprojekte, die im Fremdsprachenunterricht schon eine
recht lange Tradition haben, denn mit E-Mails fing alles an, als die
traditionelle Klassenkorrespondenz per Schneckenpost dem Ende
entgegen ging. Damit war nicht mehr die Lehrkraft alleiniger
Kommunikationspartner im Fremdsprachenunterricht, sondern entweder
Muttersprachler oder andere Deutsch-als-Fremdsprache-lernende
Klassen kommunizierten im Rahmen von Unterrichtsprojekten mit
Deutschlernern. Trotz des Präteritums sind diese Projekte immer
noch lebendig und haben weiterhin ihren didaktischen Stellenwert,
wenn sie gut geplant und strukturiert sind. Das aber können Sie in
Ruhe auf den Webseiten des Verfassers nachklicken http://www.englisch.schule.de/dafemail.htm,
wenn Sie darüber mehr erfahren möchten.
Mir gefällt es gut, in welche
Richtung sich E-Mail-Projekte entwickeln, wenn digitale Plattformen
benutzt werden. Auch wenn der Begriff merkwürdig klingt, dahinter
verbirgt sich eine WWW-Adresse, die den Nutzern auf mehr oder
weniger einfache Weise ermöglicht, Informationen auszutauschen und
anderen Beteiligten zugänglich zu machen. Konkret: Auf WWW-Seiten
können Texte geschrieben und kommentiert werden, Gruppen können
sich mit Fotos und Filmchen vorstellen, Dokumente abgelegt und
anderen zur Verfügung gestellt werden. Sozusagen ein digitaler
Klassenraum, in dem Menschen die Möglichkeit haben, miteinander zu
kommunizieren. Seit einigen Jahren wird diese Arbeitsform vor allem
von finnischen KollegInnen in Form der "e-journale"
intensiv genutzt, aber zunehmend mehr finden sich dort auch
Deutschlehrkräfte aus unterschiedlichen Ländern zu gemeinsamen
Projekten zusammen. Klicken Sie doch mal in das DaF-Journal Ihrer
italienischen Kollegin Patrizia http://daf.eduprojects.net/daf10/
, das sie gemeinsam mit Kolleginnen aus Polen und den Niederlanden
führt. Im DaF-Jornal 19 http://daf.eduprojects.net/daf19/
arbeiten vier Kolleginnen, die in Schulen in Polen, Ungarn,
Serbien-Montenegro und Finnland Deutsch unterrichten, mit ihren
Klassen zusammen. Kommunikationssprache ist Deutsch, und neben
Saisonthemen wie Ostern und Weihnachten findet ein intensiver
Informations- und Meinungsaustausch zu diversen interessanten Themen
statt. Ich habe mir gerade die Powerpoint-Präsentation einer
finnischen Schülerin über ihre Heimatstadt Mäntsälä angesehen:
Sehr schöne Texte zu den informativen Fotos, finde ich. Da hätte
ein in Ungarn Deutsch lernender Schüler bestimmt auch etwas
hinzuzufügen, was bei den e-journalen nicht nur problemlos
möglich, sondern unbedingt gewollt ist. Und schon kommt ein
Kommunikationsprozess in Gang, der Nachfragen und Kommentare, eigene
Texte oder Präsentationen beinhalten kann. Kann - denn wie auch bei
E-Mail-Projekten entsteht Kommunikation nicht automatisch, sondern
will initiiert und strukturiert werden. Hier sind wiederum die
Lehrkräfte gefragt, die ihren Lernenden Zeit und Raum zur
Verfügung stellen müssen, damit Texte und Präsentationen gelesen
und verstanden werden, bevor Antworten geschrieben werden. Und ohne
Reaktionen, Antworten, weitere Fragen und neuen Input entsteht weder
bei traditionellen E-Mail-Projekten noch bei digitalen Plattformen
eine echte zwischenmenschliche Kommunikation. Lehrkräfte sind
gefragt, die didaktische und kommunikative Kompetenzen haben, um
digitale Projekte für alle Beteiligten zu einem Gewinn für das
Fremdsprachenlernen (und auch das interkulturelle Lernen,
selbstverständlich!) zu machen. Natürlich geht das nicht ohne
Computerkenntnisse, aber Spezialisten müssen Deutschlehrende nicht
sein, um Lernarrangements zu gestalten - das machen Lernende mit
Lehrbüchern und anderen Medien doch auch, also geht das auch, wenn
digitale Arbeitsplattformen genutzt werden ohne Computerspezialist
zu sein! Die Möglichkeiten der digitalen Plattformen werden
zunehmen und "e-learning"-Möglichkeiten bieten, die für
den Fremdsprachenunterricht fördernd und fordernd sind: Gemeinsame
Projekte mit anderen Lernerinnen und Lernern jedenfalls sind damit
sehr gut realisierbar, zumal die Lernenden mit diesem Medium
selbstverantwortlich und kooperativ arbeiten können unter
Rahmenbedingungen, die die Lehrkraft aufgrund ihrer Kompetenz
schafft. Schauen Sie sich doch zum Beispiel mal www.schola-21.de
an und klicken Sie auf "DO IT", wenn Sie neugierig
geworden sind...
2. WWW-Projekte, die das Lehrbuch ergänzen
Das WWW hat sich als gut geeignetes
ergänzendes Medium zur Lehrbucharbeit erwiesen, denn immer, wenn es
um vertiefende Informationen, Aktualität, Bilder oder spezielle
Fragestellungen geht, liefert es (wenn auch nicht sofort beim ersten
Mausklick) Informationen in der Zielsprache. Natürlich kann von
diesen authentischen Texten un
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