Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft

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Deutschunterricht und das Internet:
Welch spannendes Lernen!
von Reinhard Donath, Gymnasium Ulricianum Aurich
(Manuskript für Per Voi - Goethe-Institut Rom: Mai 1998)

Haben Ihre Schüler heute schon in einer deutschen Zeitung gelesen, wie gut sich der neue Mercedes http://www.mercedes.de nach den nun überwundenen Elchtestproblemen verkauft? Haben sie per Mausklick mehrere Artikel mit dem Stichwort "Elchtest" gefunden und wissen nun, was sich hinter diesem merkwürdigen Wort verbirgt?

Hat Ihnen eine Schülergruppe zum Thema "Schulen in Deutschland" den Speiseplan aus der Mensa der Integrierten Gesamtschule Aurich http://home.t-online.de/home/IGS.AUR/ von heute vorgelegt und amüsiert darauf hingewiesen, daß es dort heute mittag Spaghetti Carbonara gibt?

Dann haben Sie und Ihre Schüler einen Zugang zum Internet und ahnen oder wissen bereits, wie sinnvoll dies in den Deutschunterricht integriert werden kann. Aktuelle Texte in deutscher Sprache? Texte aus der deutschsprachigen Jugendpresse? Nachrichten auf deutsch mit kurzen Videos und gesprochenem Text? Alles ist möglich, alles ist nur einen Mausklick entfernt, wenn, ja wenn....

Nein, Zukunftsvisionen sind das nicht: Schülerinnen und Schüler haben sich durch eine Lektion in ihrem Deutsch-Lehrbuch mit einem landeskundlichen Thema vertraut gemacht, beherrschen die wichtigsten sprachlichen Strukturen und können nun auf die virtuelle Reise gehen. Das setzt natürlich einen Zugang zum Internet voraus, so daß die Schüler gezielt WWW-Adressen aufsuchen können, um sich zusätzliche und zumeist sehr aktuelle Informationen in deutscher Sprache beschaffen zu können. Adressen für solche gezielten Recherchen finden sich unter dem Stichwort "Andere WWW-Server in Deutschland" auf den Webseiten des Goethe-Instituts http://www.goethe.de . Dort finden Schüler auch didaktisierte Texte aus dem Jugendmagazin "jetzt-online" sowie diverse Links auf andere WWW-Adressen, hinter denen sich Vokabel- oder Grammatikübungen ebenso finden lassen wie zum Beispiel Deutschlands erste interaktive Internet-Surf-Opera namens "Heldenfussallee":

Mit dem Internet steht dem Deutschunterricht ein spannendes Medium zur Verfügung, um das traditionelle Deutschlernen ebenso zu verändern wie den Deutschunterricht, denn schließlich arbeiten Schüler im Internet relativ autonom. Dadurch können sich Unterrichtsphasen abwechseln, in denen Schüler eigenständig im Netz recherchieren mit solchen, in denen sie in der Klassensituation ihre Ergebnisse in der Fremdsprache vortragen und aktive Spracharbeit betreiben. Nein, Deutschlehrer werden bestimmt nicht überflüssig dabei, schließlich will eine Menge sprachlicher Strukturen verstanden und gelernt werden, wollen grammatische Probleme ebenso aufgearbeitet werden wie landeskundliche Informationen.

Zwei kurze Unterrichtsskizzen mögen verdeutlichen, warum der Einsatz des Internet im Deutschunterricht sinnvoll ist, wobei das erste eher Landeskunde im Mittelpunkt hat, während das zweite sich der Kommunikationsmöglichkeiten des Internet bedient.

 

Schulen in Deutschland

Die Beschäftigung mit dem deutschen Schulsystem anhand des Lehrbuchs ist ein typisches Thema im Fremdsprachenunterricht. Über wenige allgemeine Informationen, die nicht immer noch zutreffend sind, geht eine solche Lehrbucheinheit zwangsläufig kaum hinaus. Daher bietet es sich an, nach der Erarbeitung der Unterrichtseinheit eine Liste von Fragen zu entwickeln, um sich intensiver mit Schulen in deutschsprachigen Ländern zu beschäftigen. Das nämlich ist sehr einfach geworden, seit mehr als 7.000 Schulen in Deutschland eine Homepage haben, sich also im World Wide Web weltweit präsentieren. Auf diesen Seiten finden sich statistische Informationen über Schüler- und Lehrerzahl ebenso wie Beschreibungen von Projekten, Klassenfahrten, Austauschprogrammen, Arbeitsgemeinschaften, Stundenplänen, Schulfesten usw. Die Angebote aktueller und authentischer Informationen -oft von Schülern für die Homepage geschrieben- sind fast grenzenlos.

Konkret: Jeweils zwei Schüler könnten an einem Computer zusammenarbeiten (oder eine kleinere Gruppe, wenn nicht genügend Computer zur Verfügung stehen) und sich anhand der vorher erarbeiteten Fragen mit einer oder zwei Schulen und ihren Homepages befassen.

Schulen mit Homepages im WWW in Deutschland: http://www.schulweb.de
(nach Bundesländern und Schulform gezielt anklickbar)
  • Schüler suchen gezielt Informationen auf diesen Seiten, drucken sie aus oder übernehmen sie in die Textverarbeitung. Die Ergebnisse der WWW-Recherche werden als Ausdruck mit in den Unterricht oder auf Diskette mit nach Hause genommen, um sie weiter bearbeiten zu können.

Am Computer-Bildschirm müssen sie vieles lesen, finden auch Fotos, manchmal kurze gesprochene Texte oder sogar kleine Videoclips. Eine lebendige Schule stellt sich ebenso lebendig auf den WWW-Seiten vor, so daß recht motivierende Recherchemöglichkeiten in der Fremdsprache gegeben sind. Nach dieser Arbeit im WWW sollten die Schüler

  • das Entdeckte sprachlich aufarbeiten und inhaltlich verarbeiten,
  • ausgewählte und ausgedruckte Seiten in Ruhe lesen und verstehen,
  • evtl. weitere Informationen aus dem WWW beschaffen,
  • die Ergebnisse auf Deutsch zusammenfassen und der Lerngruppe vorstellen.

Das kann mündlich und schriftlich erfolgen, zu jeder Schule kann eine kleine Wandzeitung mit ausgedrucktem Material erstellt werden, ergänzt durch Landkarten, Stadtpläne, Stadtinformationen, die alle im WWW zu finden sind.

Damit entsteht eine Lernsituation, die den aktuellen didaktischen Ansprüchen entspricht: authentisches Material in der Zielsprache regt an zu sinnvollen kommunikativen Handlungen in der Fremdsprache, wobei die Schülerinnen und Schüler selbstgesteuert und von der Lehrkraft auf ihrem Lernweg begleitet sich die Neuen Technologien für ihren Lernprozeß nutzbar machen:

"Durch die Neuen Medien mit ihrer schnellen Raumüberwindung und der anderen Art des Zugriffs auf Informationen können zumindest im Bereich des Fremdsprachenlernens außerhalb des zielsprachigen Raums autonome Projekte in bisher nicht möglicher Weise gefördert werden" (Rösler 1998, 3).

 

Kommunikationsprojekte

Neben der Beschaffung aktueller Informationen aus dem WWW, für Lehrer ebenso interessant wie für Schüler, steht bereits seit Jahren die Kommunikationsmöglichkeit durch E-Mail-Projekte in der Fremdsprache im Mittelpunkt von Internet-Aktivitäten. Neben kurzen kommunikativen Kontakten, zum Beispiel bei Fragen an die Schule, die sich aus der oben skizzierten Beschäftigung mit schulischen Homepages ergeben, sind dies vor allem thematisch orientierte und gut strukturierte Projekte mit Klassen im Land der Zielsprache.

Diese Projekte sind ebenfalls auf dem Server des Goethe-Instituts beschrieben, Anmeldungen und Kontaktwünsche zu Klassen in Deutschland sind auf diesem Wege schnell und einfach möglich:

http://www.goethe.de/z/ekp/deindex.htm

Ein sehr interessantes Projekt, bei dem die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten des Internet intensiv genutzt werden, wird seit zwei Jahren von den Berufsbildenden Schulen Emden I und der ITCG Ferrini in Verbania realisiert:

"Der thematische Schwerpunkt im Schuljahr 1996/97 ist die Untersuchung der Bedeutung des Tourismus am Lago Maggiore und in Ostfriesland. Für das Schuljahr 1997/98 wird die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Region mit dem Schwerpunkt Industrie gewählt. Die Kommunikationssprache des Projektes ist Deutsch" (Rosangela Bolognini/ Kuno Erdtmann 1998).

Besonders erfreulich: Dieses Projekt nutzt seit zwei Jahren nicht nur die elektronischen Möglichkeiten zu einer virtuellen Begegnung, sondern beinhaltet ein jährliches Treffen der Schülerinnen und Schüler abwechselnd in Italien bzw. in Deutschland. Die elektronische Zusammenarbeit wird bei diesen Realbegegnungen fortgesetzt, jeweils mit konkreten Zielen und Ergebnissen. Detaillierte Informationen und Ergebnisse aus diesem "Langzeit-Internetprojekt" finden sich auf der Web-Seite:

http://www.emdania.de

Nein, nicht nur Oberstufenschüler können E-Mail-Projekte realisieren. Bereits im dritten Lernjahr sind kleinere Projekte, zum Beispiel zum Freizeitverhalten der Jugendlichen, mit Partnerklassen in Deutschland oder auch mit anderen Klassen von Deutschlernern außerhalb des deutschsprachigen Raumes realisierbar. Projektbeispiele und Erfahrungen finden Sie auf meiner Web-Seite ebenso wie Hinweise zur Unterrichtsorganisation und Realisierung dieser Projekte:

http://www.englisch.schule.de/DaF.htm