Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft

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  Konstruktivismus und autonomes Lernen

Definition Konstruktivismus & die Fachdidaktik

Autonomes Lernen - Lernerautonomie

Perspektivenwechsel - Paradigmenwechsel?

Literatur

Definition Konstruktivismus

Rolf Werning (Pädagogik, Uni Hannover):

"Aus konstruktivistischer Perspektive sind Individuen durch folgende grundlegende Merkmale gekennzeichnet: Sie sind strukturdeterminiert, selbstreferentiell und nicht-trivial. Einfach gesagt umfaßt diese Auffassung, daß eine Person nicht von außen zu einer bestimmten Reaktion veranlaßt bzw. determiniert werden kann, sondern daß immer die interne Struktur der Person bestimmt, wie sie sich mit Anregungen, die aus dem umgebenden Milieu kommen, auseinandersetzt. Jede Form der Beeinflussung, ob sie nun von pädagogischen, therapeutischen, wirtschaftlichen etc. Interessen abgeleitet wird, muß sich damit auseinandersetzen, daß es keine direkten, instruktiven Interaktionsbeziehungen geben kann.

Unterrichten ist somit der Versuch der Anregung von komplexen affektiv-kognitiven Systemen, die nach ihrer eigenen Logik operieren. Sie sind selbstreferentiell, weil jede ihrer Handlungen auf ihre Struktur zurückwirkt und diese bestätigen oder verändern kann. Aufgrund der funktionalen Beziehungsstruktur zwischen Organismus und Umwelt werden ständig Wirklichkeitskonstruktionen als Routinen angewendet, teilweise neu entwickelt, überprüft, bestätigt, verworfen usw. Diese aktive Beziehungsgestaltung zwischen Subjekt und Umwelt ist der Ansatzpunkt jeder Beeinflussung.

Lehren ist nicht die Vermittlung und Lernen ist nicht die Aneignung eines extern vorgegebenen "objektiven" Zielzustandes, sondern Lehren ist die Anregung des Subjekts, seine Konstruktionen von Wirklichkeit zu hinterfragen, zu überprüfen, weiterzuentwickeln, zu verwerfen, zu bestätigen etc.

Das bedeutet auch, eine Vielfalt von Lernwegen zu ermöglichen, wie sie in Formen des offenen Unterrichts, des projektorientierten Unterrichts und des forschenden Lernens umgesetzt wird. Vielfalt bedeutet die Öffnung der Räume."

aus: Rolf Werning, "Konstruktivismus. Eine Anregung für die Pädagogik?" In: Pädagogik 7-8/98, S. 39 - 41

 

Johannes-PeterTimm (Englisch-Didaktik):

"Konstruktivismus ist ein Begriff der Erkenntnistheorie. Es geht dabei um die Frage, wie wir die Erscheinungen der uns umgebenden Welt wahrnehmen und für uns strukturieren. [...] Konstruktion von Wissen als methodisches Grundprinzip der Gewinnung von Erkenntnissen heißt: "selbst erfahren, ausprobieren, experimentieren, immer in eigene Konstruktionen ideeller oder materieller Art überführen und in den Bedeutungen für die individuellen Interessen-, Motivations- und Gefühlslagen thematisieren" (Reich 1996, 119)" (Timm 1996, 268).

 

Dieter Wolff (Englisch-Didaktik): Dieter Wolff in Aurich, Juni 1997
Foto: Dieter Wolff in Aurich (Juni 1997)

"Die lerntheoretischen Konzepte der kognitiven und der konstruktivistisch orientierten Psychologie weisen dem strategischen Verhalten des Lernenden eine ganz zentrale Bedeutung bei. Lernen wird als eine aktive Tätigkeit gesehen, die vom Lernenden selbständig durchgeführt werden muß. Der Lernende konstruiert sich sein Wissen aus den angebotenen Informationen - Lernen wird als "kreativer Konstruktionsprozeß" gesehen. Für die Wissenskonstruktion benötigt der Lernende aber Instrumente, Werkzeuge, d.h. Strategien. Das Gelingen eines Lernprozesses, so lehrt uns die Lernpsychologie, ist abhängig vom Vorhandensein eines möglichst umfassenden Repertoires an Lernstrategien und der Fähigkeit, diese angemessen einsetzen zu können" (Dieter Wolff 1997: "Lernstrategien: Ein Weg zu mehr Lernerautonomie", online: http://www.ualberta.ca/~german/idv/wolff1.htm).

vgl. auch die anderen Beiträge zum Thema "Lernerautonomie und Lernstrategien" auf der Website http://www.ualberta.ca/~german/idv/start.htm

 

Michael Wendt (Französisch-Didaktik):

"Konstruktivistischer Fremdsprachenunterricht ist lernerorientiert. Lernorientierung bedeutet hier dreierlei:

1) Unterricht geht stets von den vorhandenen Wirklichkeitskonstruktionen der Lernenden aus;

2) Lernende gestalten das eigene Lernen weitgehend selbstständig und in eigener Verantwortung;

3) Selbstkontrolle und Kontrolle im sozialen Kontext der Lerngruppe tritt auf weiten Strecken an die Stelle der Fremdkontrolle durch die Lehrkraft" (Wendt 1998, S. 7).

"Konstruktivistischer Fremdsprachenunterricht ist immer auch projektorientierter Unterricht" (ebd., S. 7).

"Es dürfte deutlich geworden sein, dass die Verwirklichung konstruktivistischer Prinzipien im Fremdsprachenunterricht lehrerdominierte, sprachmanipulative und lehrwerkzentrierte Lernorganisationsformen ausschließt" (ebd., S. 7).

 

Dietmar Rösler (DaF-Didaktik):

"Ich werde in diesem Text nur an den Stellen, an denen es sich beim besten Willen nicht vermeiden läßt, das Wort Konstruktivismus zu Papier bringen [...]" (Rösler 1998, 3).

 

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Autonomes lernen - Lernerautonomie

"Kognitive und konstruktivistische Lerntheoretiker betonen also gleichermaßen die Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit des Lernenden bei allen Informationsverarbeitungs- und Lernprozessen. Sie stellen heraus, daß Lernen ein aktiver Prozeß ist, und sie unterstreichen, daß Lernprozesse für jeden Lernenden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Sie heben die Notwendigkeit der sozialen Interaktion zwischen den Lernenden hervor und verweisen darauf, daß Strategien beim Lernen eine entscheidende Rolle spielen. Sie betonen die Fähigkeit zur Evaluation der eigenen Lernprozesse" (Wolff 1997: "Lernstrategien: Ein Weg zu mehr Lernerautonomie", online: http://www.ualberta.ca/~german/idv/wolff1.htm).

 

"In letzter Konsequenz müßten Konstruktivismus und Prozeßorientierung zur Forderung nach völliger Lernerautonomie führen, wonach die Schüler -möglichst unter Rückgriff auf authentische Materialien ("Module")- ihre Lernaktivitäten in völliger Eigenverantwortung gestalten sollen" (Timm 1996, 282).

 

"Durch die neuen Medien mit ihrer schnellen Raumüberwindung und der anderen Art des Zugriffs auf Informationen können zumindest im Bereich des Fremdsprachenlernens außerhalb des zielsprachigen Raums autonome Projekte in bisher nicht möglicher Weise gefördert werden" (Rösler 1998, 3).

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