| ENGLISCHUNTERRICHT... ...in Zeiten der
Informationsgesellschaft
...handlungsorientiert - kommunikativ
...produktorientiert
und/oder prozeßorientiert
Konstruktivismus und autonomes Lernen
Literatur

produktorientiert - prozeßorientiert ?
Wird die Handlungs- und
Produktorientierung abgelöst durch das Primat der
Prozeßorientierung?
"Während
bei der Handlungsorientierung die
linguistisch-handlungstheoretische Begründung für
bestimmte Methodenkonzepte im Vordergrund steht, sind
es hier (i.e. bei der Prozeßorientierung, rd)
erkenntnistheoretische bzw. kognitionspsychologische
Aspekte: Konstruktivistisch bzw. prozeßorientiert
ausgerichteter Unterricht berücksichtigt die
individuellen Wahrnehmungen sowie die mentalen
Verarbeitungsaktivitäten des lernenden Individuums
als maßgebliche Grundlage für Lernprozesse"
(Timm, in: Bach/Timm, 268).
"In
letzter Konsequenz müßten Konstruktivismus und
Prozeßorientierung zur Forderung nach völliger Lernerautonomie führen, wonach die Schüler
-möglichst unter Rückgriff auf authentische
Materialien ("Module")- ihre
Lernaktivitäten in völliger Eigenverantwortung
gestalten sollen. Eine solche radikale Veränderung
des Fremdsprachen"unterrichts" erscheint
jedoch unter den gegenwärtigen institutionellen und
administrativen Gegebenheiten des deutschen
Schulwesens (noch) nicht realisierbar, ganz abgesehen
davon, daß dies auf jeden Fall eine intensive
Ausbildung der Lehrer in diese Richtung erfordern
würde" (Timm, in: Bach/Timm, 282).
OK, Timm integriert also
wesentliche Elemente der Prozeßorientierung in die
Handlungsorientierung, vor allem hinsichtlich der neuen
Sicht des Zusammenhangs zwischen Lehren und Lernen (vgl.
S. 272), aber auch mit Blick auf den "Primat des
handelnden Sprachgebrauchs" in Anlehnung an Crashen
(vgl. S. 270).
Während Timm die
konstruktivistisch geprägte Prozeßorientierung in die
Handlungsorientierung zu integrieren sucht, sehen andere
fremdsprachendidaktische Positionen zwischen Handlungs-
und Prozeßorientierung Gegensätze, gar Feindbilder, wie
Dietmar Rösler (1998,4), der Jost/Multhaup zitiert:
"Der neue Ansatz (i.e. autonomes Lernen auf der Basis des Konstruktivismus, rd) hat ein Feindbild, das
produktorientierte Lernen. Darunter sind zu verstehen,
"die
in der Praxis immer noch vorherrschenden
formal-strukturalen und
kommunikativ-handlungsorientierten Curricula. Der Unterricht
folgt einer von Experten festgelegten
lexikalisch-grammatischen Progression [...] Das Lernmaterial wird
dort situativ verpackt angeboten und soll
kommunikativ-handlungsorientiert erarbeitet werden. Was bewertet
wird, sind aber in der Regel vor allem die normativ
korrekten Sprachprodukte. Die Kunst des handlungsorientierten
Lehrens besteht dabei darin, daß der Lehrer
Sprechanlässe findet, die es den Schülern
ermöglichen, das, was sie lernen und sagen sollen,
als etwas zu empfinden, was sie sagen wollen" (Jost/Multhaup 1996, 32)."
Klingt nach Kritik an der
Simulationssituation, in der sich handlungsorientierter
Englischunterricht sehr häufig befindet ("Imagine
you were..."), die aber zeitweise zu durchbrechen
ist: "Nun kann allerdings auch der
Fremdsprachenunterricht durchaus reale
Kommunikationsanlässe bereitstellen" (Bach/Timm
1996, 4).
Dabei entstehen normalerweise
Lernsituationen, wie sie Jost/Multhaup auf der Basis von
prozeßorientierten Überlegungen beschreiben, zum
Beispiel "zur Arbeit in kleinen und projektbezogen
wechselnden Lerngruppen, die sich mit vorzugsweise
authentischen Texten und Quellen zu selbstgewählten
Themen auseinandersetzen" (Jost/Multhaup 1996, 32). Na gut, denkt sich
der Verfasser dieser Web-Seiten, das aber ist doch auch
handlungsorientiert und kommunikativ, wo also ist der
Widerspruch?
Wichtig sind
hier die drei Stichwörter
projektbezogen wechselnde
Lerngruppen
authentische Texte und Quellen
selbstgewählte Themen
Stichwörter, die vor allem
auch im Zusammenhang mit WWW-Projekten im Englischunterricht mit konkretem Inhalt gefüllt werden,
und das in einem "rich learning
environment"!
Ist da vielleicht doch
kein Widerspruch zwischen handlungsorientiertem und
prozeßorientiertem Ansatz vorhanden? Gienow/Hellwig
sehen keinen, sondern konstatieren ein integratives
Element in diesem Ansatz:
"Eine
Reihe von Merkmalen prozeßorientierten Lernens
korrespondiert mit Charakteristika anderer
fremdsprachendidaktischer Konzepte: u.a. Lernerautonomie, Handlungs- und
Kreativitätsorientierung. Das ist ein wichtiger
Hinweis auf die Komplexität und
Integrationsfähigkeit von Prozeßorientierung"
(Gienow/Hellwig 1996, 4).
What now? Handlungs- und
produktorientiertes Lernen im Fremdsprachenunterricht
sind nicht oder nur etwas out?
Prozeßorientierung, Konstruktivismus und autonomes
Lernen sind ziemlich oder etwas in?
Wird Zeit, sich genauer
mit dem Konstruktivismus als Basis für autonomes Lernen zu beschäftigen, aber auch mit
Schlußfolgerungen wie der von Mandl/Reinmann-Rothmeier:
"Instruktion und Konstruktion sind
allenfalls in 'ideologischen' Auseinandersetzungen
ein Gegensatz, in der Praxis dagegen eine sinnvolle
Ergänzung" (Mandl/Reinmann-Rothmeier 1996, 44).
- Aha:
- "Schließen wir
'nen kleinen Kompromiß,
- davon hat man keine
Kümmernis...." (Tucholsky).
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