Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft

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  Schülerrolle

traditionelle Schülerrolle

autonomer Lerner   ein aside

Lernen lernen & Lerntechniken

alles anders als bisher?

Literatur

Traditionelle Schülerrolle

Als was haben wir Schüler eigentlich in der eher traditionellen Konzeption von Englischunterricht gesehen? Als willfährige Empfänger von Vokabeln und Grammatikregeln, die wir ihnen per Trichter ins unmündige Hirn gießen? Wohl kaum. Als Individuen mit individuellen Bedürfnissen und Lernfähigkeiten sicher eher, denen wir -wenn auch nicht unbedingt immer differenziert- Interesse am Englischlernen ebenso zu vermitteln versuchen wie die Basiskenntnisse, die Sprache nun mal ausmachen, wobei wir uns eigentlich immer der Bedingtheiten und/oder negativen Begleitumstände bewusst sind.

"Schon die schulischen Rahmenbedingungen (u.a. der 45-Minuten-Takt als Lerneinheit, der Gleichschritt der Pausen für alle Schülerinnen und Schüler einer Schule, die standardmäßige frontale Sitzordnung u.a.m.), aber auch die Gestaltung der einzelnen Unterrichtsstunden (Steuerung durch das Schulbuch bzw. die inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Vorplanungen des Lehrers oder der Lehrerin) bewirken, dass die Lernenden -zumeist im Frontalunterricht- fremdbestimmt werden, dass ihre Motivation zum Englischlernen gemäß Stundenplan z. B. montags von 9.40 Uhr bis 10.25 Uhr und mittwochs von 11.20 Uhr bis 12.05 Uhr vorhanden zu sein hat" (Rampillon 1997, 68).

Dennoch ist es schon interessant, dass in den letzten Jahren in der Fremdsprachendidaktik ein ziemlich rapider Umdenkprozess oder gar ein Paradigmenwechsel hinsichtlich der Lernerrolle und dem schulischen Fremdsprachenlernen überhaupt stattfindet, der sich in Teilen langsam in schulischer Praxis niederschlägt: Hier ist allerdings auffällig, dass im Primarbereich die Umsetzung von autonomen Lernverfahren intensiver vonstatten gehen, als das im traditionellen Fremdsprachenunterricht der Sek I zu beobachten ist, natürlich zu differenzieren nach Schulformen, Bundesländern und überhaupt!

Die Perspektive verändert sich: weg vom Schüler als Objekt von Lehraktivitäten, hin zum Schüler als Subjekt eines (ja nicht nur fremdsprachlichen) Lernprozesses.

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Autonomer Lerner

Natürlich nicht nur im Zusammenhang mit den Neuen Technologien, sondern aufgrund vielfältiger veränderter gesellschaftlicher und bildungspolitischer Realitäten und Anforderungen an Schule ist der Begriff des "selbständigen Lernens" ebenso trendy wie der der "Erziehung zur Selbständigkeit" mit allen Implikationen.

Da ist es nur konsequent, wenn sich Lernen am Lerner orientiert:

"Wenn sich das selbständige entdeckende Lernen und der subjektiv-konstruktivistische Wissenserwerb durchsetzen, wird der fremdbestimmte Lernort Schule völlig neu zu organisieren sein. Das Klassenzimmer wird zu einer Lernwerkstatt, in der die Schüler selbständig den Lernstoff entdecken" (Kleinschroth 1996, 173).

 

Vor allem die konstruktivistischen Ansätze fordern einen Perspektivenwechsel hin zum autonomen Lerner, den sie mit Erkenntnissen aus anderen Wissenschaftsbereichen hinsichtlich des Lernens und seiner Abläufe belegen:

"Lernen wird als eine aktive Tätigkeit gesehen, die vom Lernenden selbständig durchgeführt werden muss. Der Lernende konstruiert sich sein Wissen aus den angebotenen Informationen - Lernen wird als 'kreativer Konstruktionsprozess' gesehen" (Wolff 1997, online).

"Wenn Lernen als autonomer, kreativer Konstruktionsprozess verstanden wird, wie es die konstruktivistische Lerntheorie tut, dann können Verarbeitungs- und Lernprozesse nur beeinflusst werden, indem man Lernenden Hilfestellung bei der Wissenskonstruktion gewährt. Andere Formen der Beeinflussung des Lernprozesses scheiden aus" (Wolff, 1996, 53).

Rüschoff folgert aus der Notwendigkeit einer Reform der Schule für das 21. Jahrhundert eine Schule

"... als Haus des Lernens, in dem für Lernende Strategien und Handlungskompetenzen für eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit und Aufbereitung von Wissen erfahrbar und erwerbbar sind..." (Rüschoff 1996, online).

Dem stimmt Dietmar Rösler wohl auch zu wenn er feststellt, dass eine ausführlichere Auseinandersetzung "als bisher mit der Bedeutung der Selbststeuerung für das Fremdsprachenlernen" notwendig ist:

"Solange es noch für normal gehalten wird, dass man Sprachen in Schulen am besten über viele Jahre in kleinen Häppchen lernt, nicht integriert in reale und virtuelle Begegnungen und nicht verbunden mit den Sachen, die man in anderen Fächern aufnimmt, kann man gar nicht genug über alternatives selbstbestimmtes Sprachenlernen nachdenken" (Rösler 1998, 8).

Und was machen Schüler im Englischunterricht in einer veränderten Schul-, Lern-, Unterrichtssituation, wenn wir denn noch von Unterricht sprechen können?

Wolff skizziert u.a. die folgenden Merkmale für fremdsprachliche Klassenzimmer, "die dem didaktischen Konzept der Lernerautonomie verpflichtet sind" (Wolff 1997, online):

Arbeit in Kleingruppen; Ergebnispräsentation durch Posters
Gruppenarbeit wird unterstützt durch Bereitstellung von Materialien (Produkt- und Prozessmaterialien)
jeder Lerner führt ein persönliches Tagebuch
die Fremdsprache ist die einzige Sprache im Klassenzimmer.
 

So weltbewegend scheinen mir diese "Merkmale" allerdings nicht zu sein, denn solche Lern-/Arbeitssituationen sehe ich im Unterricht häufiger - nur das Lerner-Tagebuch" nicht, das im Zusammenhang mit dem "Lernen lernen" eine wichtige Rolle spielt.

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Das Lesen - Hören - Handeln - Phänomen....

E-Mail von 
Joerg Steinhaeuser <joerg@palindrom.de> 26-04-2001  

"Von Zeit zu Zeit begegnet man Statistiken, die aussagen, dass man einen Lerngegenstand, ein beliebiges Faktum quasi, nur zu 20% behält wenn man darüber liest, zu 40% wenn man darüber hört, zu 60% wenn man liest und hört und zu 80% wenn man ihn handeln erfährt. Das ist zwar sehr undifferenziert, hört sich aber schon seit Jahrzehnten sehr plausibel an und wird genauso wenig in Frage gestellt, wie die vermeintliche Tatsache, dass Spinat viel Eisen enthält.