Internet
im Englischunterricht
Kasseler
Englischkolloquium KEK
(...)
Welche Chancen und Möglichkeiten die Nutzung des
Internets im Fremdsprachenunterricht bietet, mit
welchen Alltagstücken dies aber auch verbunden ist,
vermittelte die jüngste Veranstaltung des KEK. Zu
diesem Gastvortrag reiste am 27. Januar Reinhard
Donath an, der Englischlehrer im ostfriesischen
Aurich und langjähriger Kenner und Wegbereiter der
Computernutzung im Schulunterricht ist.
Im
Medienzeitalter, in dem Computer und Internet in
ihrer schnellen Verbreitung auch in die Schule
vordringen, fällt dem Fremdsprachenunterricht eine
wunderbare Möglichkeit in den Schoß: Wo sonst neue
didaktische Konzepte wie autonomes Lernen,
Prozeßorientierung und selbständige Konstruktion
des Wissenserwerbs noch graue Theorie sind, im
Englischunterricht werden die Werkzeuge für ihre
Umsetzung via Internet quasi frei Haus geliefert.
Denn wenn sich der "normale"
Sprachunterricht um Authentizität und eine
natürliche, alltagsnahe Sprachpraxis bemüht, wirkt
er in der Simulation der Sprachanwendung stets
künstlich. Mit Bildern und Comics versuchen
Lehrbücher die Lücke zwischen Lernsituation und
Lebenswelt der jugendlichen Schüler möglichst
gering zu halten. Doch die Welt der "Kids"
ist heute derart schnellebig, daß selbst neu
aufgelegte Lehrbücher schon bei ihrem Erscheinen
darin altmodisch wirken.
Im
Internet ist dies anders. Das Medium ist stets
topaktuell, bedient breiträumig die Interessen der
Jugend-Klientel und spricht die Kids in ihrer
"Sprache" an. Per Mausklick überwindet man
sekundenschnell die Entfernung zu fernen, fremden
Ländern. Der Entdeckungsdrang der Schüler wird
dabei durch eine Fremdsprache kaum gehemmt. Ihr
Erlernen wird spielerisch zum willkommenen
Zusatzeffekt. Eine Brieffreundschaft nach England
wirkt altmodisch, wenn man online mit Australien
"chatten" oder weltweit Emails austauschen
kann.
Daß sich
die Rolle der Lehrkraft dabei verändert und
erweitert, liegt in der Natur des neuen Mediums:
Methodisches Lernen, Sprachlernen und
landeskundliches Lernen sind im multimedialen
Sprachunterricht eng miteinander verknüpft. Lehrer
müssen dabei zunehmend die Funktion eines Trainers
und Moderators übernehmen. Nur so gelingt es, aus
dem Informationsdschungel des Internets die zarte
Pflanze des Verstehens und Wissens zu züchten und
die Situation zu nutzen, daß Selbstentdecktes und
-erworbenes bleibender ist als nur Gehörtes. (R. S.)
aus:
Kasseler Hochschulzeitung publik,
Nr. 2, 16. Februar 1999,