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mehr zu Portfolio & Bildung in Finnland

Portfolio Geschichte

Können Fünfzehnjährige überhaupt lernen?  [Hirnforschung über Pubertät und Lernfähigkeiten]

 

 

 

 

 

Portfolio-Arbeit


Was ist Portfolio-Arbeit ? Verwirrende Begrifflichkeiten

Konkret - Portfolio & Deutsch als Fremdsprache in Finnland

Und wie geht das im Englischunterricht ? Und die Benotung?

European Language Portfolio

Links, Literatur und mehr Infos

Was ist Portfolio-Arbeit?

Portfolio-Arbeit ist eine Methode aus dem autonomen Lernen. Ähnlich wie das Portfolio, mit dem sich ein Künstler durch eine Zusammenstellung seiner Arbeiten an der Kunsthochschule bewirbt, dokumentieren LernerInnen ihre Arbeit - aber nicht nur durch Ergebnisse, sondern vor allem durch eine Beschreibung und Reflektion der Methoden sowie einer (Selbst-) Evaluation. 

Was das mit dem Englischunterricht und dem Internet zu tun hat? Ziemlich viel, denn je intensiver Internetaktivitäten in den Unterricht eingebunden werden, desto notwendiger wird eine Individualisierung des Lern- und Arbeitsprozesses mit einem methodischen Schwerpunkt und damit auch die Dokumentation dessen, was und wie es erarbeitet wurde.

Andere Begriffe und der Zusammenhang mit dieser Methode

European Language Portfolio

Das Europäische Portfolio der Sprachen ist eine Mappe, mit der die Fremdsprachenfähigkeiten differenziert dokumentiert werden, so dass sie auch in anderen Ländern verstanden und akzeptiert werden. |dazu mehr bei: learn-line

Legt weniger Wert auf Methoden und Reflektionen, sondern dokumentiert durch klare Kategorisierung Sprachkenntnisse. Kann damit Ausgangspunkt für Portfolioarbeit sein, wenn es um Beschreibung des Sprachstandes geht.

Digitales (oder: elektronisches) Portfolio, auch: e-Portfolio:

" 'Portfolio' a definition: a portfolio is a purposeful collection of student work that tells the story of a student's personal self and a student's achievement or growth characterized by strong vision of content, skills and processes addressed, built on student selection of work going in and referenced to criteria. Portfolios may demonstrate a wide range of student work. Students control the selection of portfolio content and material. Unlike standardized tests portfolios are direct indicators of a student's learning experiences. Portfolios allow teachers and parents to share real display of a student's performance without interpretation of test scores. Portfolios provide a natural medium for teacher-pupil discussions and the customization of individual learning experiences and goals. Comprehensive portfolios, maintained over a period of time, can exhibit comparisons of student work and illustrations of growth. Portfolios can grow and carry into the learners work life beyond the school environment. An increasingly self-reliant work force is evolving at an ever increasing pace. Today's technology allows electronic portfolios to be one career tool for life long learners in today's workplace."
 | Quelle: http://www.mehs.educ.state.ak.us/portfolios/portfolio.html |

Damit ist ein digitales Portfolio [auch elektronisches oder e-Portfolio] also identisch mit Portfolio-Arbeit, solange Reflektion und Arbeitsmethoden integraler Bestandteil sind, was nicht immer der Fall ist in den Beispielen aus amerikanischer Praxis.

Teaching Portfolio

"Teaching portfolios consist of a collection of evidence of teaching and related skills associated with the role of a teacher. They are now very widely used, in the UK and elsewhere, for the assessment of a teacher's competence in a formal programme of training in teaching and learning in higher education. (...) Debate is moving on from descriptions of how to develop and present a portfolio of evidence about one's teaching to how to use portfolios as part of wider educational development practice, involving such practices as mentoring and continuing professional development." 
|Source: http://www.lgu.ac.uk/deliberations/portfolios/  |

Portfolio Medienkompetenz

"Das Portfolio wurde als Instrument für die Hand der Schülerinnen und Schüler entwickelt, damit sie ihre persönliche Medienkompetenz nach außen dokumentieren können. Aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer kann mit dem Portfolio auch die schulische Arbeit an der Entwicklung eines Medienkonzeptes angeregt und unterstützt werden." 

| dazu mehr bei: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomk/  und in Niedersachsen bei n-21: http://www.n-21.de/netzwerk/portfolio/portfolio.html |

Dokumentiert Fähigkeiten und ist damit analog zum European Language Portfolio zu sehen, aber legt keinen direkten Schwerpunkt auf Methoden, Reflektion etc., auch wenn das in der praktischen Arbeit möglich ist.

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Portfolio-Arbeit: Konkret - Deutsch als Fremdsprache in Finnland

Ich habe Portfolio als Arbeitsmethode vor einigen Jahren durch Hannele Kara, Deutschlehrerin an der Norssi-Schule in Jyväskylä/Finnland (super Schule, sehr stark orientiert an den Prinzipien des autonomen Lernens) kennen gelernt.

Hannele Kara beschreibt die Portfolioarbeit detailliert in einem noch unveröffentlichten Manuskript, Auszug:

"Im schulischen Bereich wird mit Portfolio eine Dokumententasche oder –mappe gemeint, d.h. eine Sammlung von Schülerarbeiten und Bewertungen, die das Wissen und Können des Schülers repräsentieren soll. Die Arbeiten für diese Sammlung sind von dem Schüler selbst gewählt und bewertet worden. Charakter und Inhalt des Portfolios variieren nach seinem hauptsächlichen Ziel. Das Portfolio kann eine Sammlung von mündlichen | mehr zum mündlichen Portfolio | und schriftlichen Schülerarbeiten sein, die das Lernen und den Lernprozess sowie die Ergebnisse während einer bestimmten Zeit, z.B. für die gesamte Dauer eines Kurses, eines Projektes usw. repräsentiert.

Es gibt verschiedene Arten von Portfolios. Es kann eine Leistungsmappe sein, in der die besten Arbeiten gesammelt wurden. Es kann eine Entwicklungsmappe sein, in der solche Dokumente gesammelt wurden, die die Entwicklung des Schülers am besten beschreiben. Und es kann auch eine Repräsentationsmappe sein, in der die gelungensten Arbeiten gesammelt worden sind. Das Portfolio ist also eine Prozess-, Kurs-, oder Projektmappe. Die Form ist frei, und konkret kann das Portfolio eine Mappe, ein Album, ein Videofilm, eine Kassette, eine Diskette, eine WWW-Seite, eine Bildersammlung mit Texten usw. sein. Es gibt eigentlich kein richtiges Modell für das Portfolio, sondern jeder Lehrer kann mit den Schülern sein eigenes schaffen.

Die äußere Form ist nicht so wichtig, dafür der Erzeugungs-, Auswahl- und Bewertungsprozess, in dem der Schüler die ihm durchgeführten Aufgaben während der gesamten Studienperiode reflektiert. Die Inhalte und Qualität werden aus der Perspektive der Ziele, der allgemeinen aber auch der von dem Schüler selbst für wichtig erachteten Kriterien, bewertet und begründet. Die Bedeutung des Portfolios liegt also vielmehr im reflektiven Prozess als in der Sammlung."

| mehr zum schriftlichen Portfolio |

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Und wie geht das im Englischunterricht ?

Das ergab sich mit Beginn der Arbeit im Leistungskurs im Schuljahr 2001/2002. Ich stellte meinen SchülerInnen die Prinzipien dieser Arbeitsform vor und bat sie im

1. Schritt: Sprachstand beschreiben (self-assessment)

mit Hilfe von 5 Stichwörtern und einigen Erläuterungen
 |hier ist das "self-assessment" als Word-Datei|.

2. Schritt: Level of proficiency feststellen (self-assessment)

Zur Beschreibung der "language skills" oder des "levels of proficiency" diente der "global scale" der Einstufung aus dem European Language Portfolio:

Global Scale

Proficient
User
C2 Can understand with ease virtually everything heard or read. Can summarise information from different spoken and written sources, reconstructing arguments and accounts in a coherent presentation. Can express him/herself spontaneously, very fluently and precisely, differentiating finer shades of meaning even in more complex situations.
C1 Can understand a wide range of demanding, longer texts, and recognise implicit meaning. Can express him/herself fluently and spontaneously without much obvious searching for expressions. Can use language flexibly and effectively for social, academic and professional purposes. Can produce clear, well-structured, detailed text on complex subjects, showing controlled use of organisational patterns, connectors and cohesive devices.
Independent
User
B2 Can understand the main ideas of complex text on both concrete and abstract topics, including technical discussions in his/her field of specialisation. Can interact with a degree of fluency and spontaneity that makes regular interaction with native speakers quite possible without strain for either party. Can produce clear, detailed text on a wide range of subjects and explain a viewpoint on a topical issue giving the advantages and disadvantages of various options.
B1 Can understand the main points of clear standard input on familiar matters regularly encountered in work, school, leisure, etc. Can deal with most situations likely to arise whilst travelling in an area where the language is spoken. Can produce simple connected text on topics which are familiar or of personal interest. Can describe experiences and events, dreams, hopes & ambitions and briefly give reasons and explanations for opinions and plans.
Basic
User
A2 Can understand sentences and frequently used expressions related to areas of most immediate relevance (e.g. very basic personal and family information, shopping, local geography, employment). Can communicate in simple and routine tasks requiring a simple and direct exchange of information on familiar and routine matters. Can describe in simple terms aspects of his/her background, immediate environment and matters in areas of immediate need.
A1 Can understand and use familiar everyday expressions and very basic phrases aimed at the satisfaction of needs of a concrete type. Can introduce him/herself and others and can ask and answer questions about personal details such as where he/she lives, people he/she knows and things he/she has. Can interact in a simple way provided the other person talks slowly and clearly and is prepared to help.

Source: Council of Europe

Verzichtet habe ich auf eine Feindifferenzierung in understanding, speaking und writing, aber die Kategorien und Kriterien des European Language Portfolio sind dazu recht hilfreich und für individuelle LernerInnen nachvollziehbar, so dass auch eine feindifferenzierte Selbst-Einstufung damit möglich ist.
 | "Self-assessment grid" des European Council als Word-Dokument| .

3. Schritt:  "self-assessments" einsammeln & feed-back

Nach einer Woche sammle ich alle "self-assessments" ein und kommentiere sie kurz schriftlich und mit konstruktivem feed-back. Selbsterfahrung nach 21 Jahren Englischunterricht: Spannend, auf diese Weise eine neue Lerngruppe kennen zu lernen und erfreulich: Schülerinnen und Schüler sind unglaublich gut in der Lage, ihren eigenen Lernweg und ihre (methodischen) Erfahrungen zu reflektieren, sich Ziele zu setzen, inhaltlich, arbeitstechnisch, methodisch. Für mich eine sehr spannende Lektüre mit entsprechend großen Erwartungen an die weitere Arbeit am Portfolio!

4. Schritt: Hinweise auf Portfolio-Möglichkeiten

Von nichts kommt nichts, also: Am Anfang jeder Woche gibt's den Wochen-Arbeitsplan auf einer Webseite, wobei mit farblichen Symbolen auf Möglichkeiten der individuell vertiefenden Weiterarbeit im Rahmen der Portfolio-Methode hingewiesen wird.

5. Schritt: Einsammeln der Portfolios 

Nach ca. vier Monaten sammle ich die Portfolio-Mappen ein, nachdem ich vorher noch schriftlich auf meine Erwartungen hingewiesen habe:

I’d like to see items like the following in your Portfolio:

  • analysis of your mistakes in two “Klausuren”
  • about three examples of your homework
  • individual work you produced after a web-research
  • a critical reflection of your learning skills described at the beginning of our course: what did you improve, what have you actually learned, which methods have you improved?
If you feel like it: a critical feed-back concerning the lessons, methods, contents, etc. is appreciated as well

 

6. Schritt: feed-back & Benotung

Wieder ausgesprochen positive Leseerlebnisse sowohl bei den Texten als auch vor allem bei der Reflektion der Methode und der "self-evaluation".

| Im Detail: Beispiele von students' feed-back & portfolio |

 

Erfahrungen & Konsequenzen:

  • Portfolio-Arbeit als Methode ist klasse, setzt aber immer wieder bewusstes Methodentraining auf allen Ebenen der Arbeit im Englisch-Kurs voraus, vor allem auch bei intensiven Internet-Aktivitäten und hohem Anteil von Partner- und Gruppenarbeit,

  • "self-assessment", "evaluation" und "self-evaluation" sind wichtig, aber Erfahrungen und hilfreiche Beispiele sind sehr selten zu finden 

  • je intensiver die Portfolio-Arbeit praktiziert wird, desto dringender wird das gemeinsame Aushandeln des Benotungsanteils (wir hatten uns auf 30 % der mündlichen Note geeinigt),

  • die Benotung (grading) und Benotungskriterien müssen anders sein, als bei der traditionellen Arbeit: Inhalt und Sprache müssen natürlich bewertet werden, aber auch Präsentation, Methode, Arbeits-/Gruppenverhalten etc. sollten Bestandteile der Bewertung sein, die vorher gemeinsam ausgehandelt werden muss.

Grading

Wie grading aussehen könnte, mag ein Blick auf Bewertungsverfahren und -kategorien im Zusammenhang mit den WebQuests sein: Hier soll's nicht um WebQuests | WebQuest-Webseite| als solche gehen, sondern um Bewertungskriterien für eine prozess-, methoden- und produktorientierte Arbeitsphase, wie sie sich im Portfolio niederschlagen kann, einige Beispiele mögen dem Denken weiterhelfen:

Beispiele für grading aus WebQuest-Projekten:
 

Für deutschsprachige WebQuests gibt's auf der schweizerischen Babylonia-Webseite gute Beispiele für differenzierte und vielfältige Bewertungen:

|Beispiele deutschsprachiger WebQuests|

Wer weiter suchen möchte:  | hier geht's zu vielen WebQuest-Pojekten|

Also: Es gibt einiges zu tun, aber die Methode ist nicht nur spannend, sondern wird notwendig, wenn die Internetaktivitäten einen hohen zeitlichen Anteil der Arbeit im Englischunterricht einnimmt und wenn wir anerkennen, dass Lernen von LernerInnen aus geht - und nicht mit Unterrichten zu verwechseln ist ;-)

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Links, Literatur und mehr Infos

www.portfolio-schule.de 

Arbeitstechniken: Portfolio: http://www.teachsam.de/arb/portfolio/portfolio_0.htm 

Europäisches Portfolio der Sprachen:

Zum Europäischen Portfolie der Sprachen gibt es bei learn-line viele Infos |die will ich| und Download-Angebote sowie beim Europarat |na gut, dann die|

Das Kultusministerium von Thüringen bietet zum Europäischen Portfolio der Sprachen viele Informationen zum dortigen Modellversuch sowie gutes Material zum Download | da will ich hin |

Viele gute Infos zu "Sprachportfolios" auf der "Austausch-NL"-Seite

e-portfolio u.a.:

Der Bremer Bildungsserver hat diverse interessante Links zum Thema e-Portfolio. Achtung: Am Anfang geht's um das Europäische Sprachenportfolio

mehr zu Portfolio & Bildung in Finnland

Kalamazoo College - Outstanding (electronic) portfolios - Informationen zum Kalamazoo College Portfolio

Portfolio Medienkompetenz:  http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomk/  

Teaching Portfolio: http://www.lgu.ac.uk/deliberations/portfolios/ 

Portfolio Medien - Lehrerbildung (learn-line Nordrhein-Westfalen): http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomedien/ 

ZUM - Deutsch Portfolio:  http://www.zum.de/wiki/index.php/Deutsch_Portfolio 

Literatur:

Reinhard Donath: "Portfolio-Praxis im Leistungskurs Englisch – school reality sometimes bytes". In: Wolfgang Gehring (Hg.): Fremdsprachenunterricht heute. BIS-Verlag der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Oldenburg: 2006. 57-65. |Manuskript als word.doc|

ide-zeitschrift für den deutschunterricht in wissenschaft und schule 1/02 - "portfolio". Studien-Verlag, Postfach 104, A-6011 Innsbruck www.studienverlag.at ISBN 3-7065-1718-3

Elsebeth K. Sorensen: "CSCL: Structuring the Past, Present, and Future through Virtual Portfolios": 
http://www.kommunikation.aau.dk/ansatte/es/publikationer/structuring.pdf 

Håkon Tolsby: "Designing Virtual Portfolios for Communities of Practice" 
http://www.kommunikation.aau.dk/ansatte/es/publikationer/designing.pdf 

"Portfolios in the Finnish school" (Aufsatz der finnischen PISA-Beauftragten Pirjo Linnakylä vom "Institute for Educational Research" an der Universität Jyväskylä.): http://www.jyu.fi/ktl/publications/electronic/001/linnakyl2.htm 

 

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© Reinhard Donath | Fremdsprachenunterricht in der Informationsgesellschaft www.englisch.schule.de/reinhard.htm