Was
ist Portfolio-Arbeit?
Portfolio-Arbeit ist eine Methode
aus dem autonomen Lernen. Ähnlich wie das Portfolio, mit dem sich
ein
Künstler durch eine Zusammenstellung seiner Arbeiten an der
Kunsthochschule bewirbt, dokumentieren LernerInnen ihre Arbeit -
aber nicht nur durch Ergebnisse, sondern vor allem durch eine
Beschreibung und Reflektion der Methoden sowie einer (Selbst-)
Evaluation.
Was das mit dem Englischunterricht
und dem Internet zu tun hat? Ziemlich viel, denn je intensiver
Internetaktivitäten in den Unterricht eingebunden werden, desto
notwendiger wird eine Individualisierung des Lern- und
Arbeitsprozesses mit einem methodischen Schwerpunkt und damit auch die Dokumentation dessen, was und
wie es erarbeitet wurde.
Andere Begriffe und der Zusammenhang
mit dieser Methode
European
Language Portfolio
Das Europäische Portfolio der Sprachen
ist eine Mappe, mit der die Fremdsprachenfähigkeiten differenziert
dokumentiert werden, so dass sie auch in anderen Ländern verstanden und
akzeptiert werden. | dazu
mehr bei: learn-line
|
Legt weniger Wert auf Methoden und
Reflektionen, sondern dokumentiert durch klare Kategorisierung
Sprachkenntnisse. Kann damit Ausgangspunkt für Portfolioarbeit sein,
wenn es um Beschreibung des Sprachstandes geht.
Digitales
(oder: elektronisches) Portfolio, auch: e-Portfolio:
" 'Portfolio' a definition: a
portfolio is a purposeful collection of student work that tells the
story of a student's personal self and a student's achievement or growth
characterized by strong vision of content, skills and processes
addressed, built on student selection of work going in and referenced to
criteria. Portfolios may demonstrate a wide range of student work.
Students control the selection of portfolio content and material. Unlike
standardized tests portfolios are direct indicators of a student's
learning experiences. Portfolios allow teachers and parents to share
real display of a student's performance without interpretation of test
scores. Portfolios provide a natural medium for teacher-pupil
discussions and the customization of individual learning experiences and
goals. Comprehensive portfolios, maintained over a period of time, can
exhibit comparisons of student work and illustrations of growth.
Portfolios can grow and carry into the learners work life beyond the
school environment. An increasingly self-reliant work force is evolving
at an ever increasing pace. Today's technology allows electronic
portfolios to be one career tool for life long learners in today's
workplace."
| Quelle:
http://www.mehs.educ.state.ak.us/portfolios/portfolio.html
|
Damit ist ein digitales Portfolio [auch elektronisches oder
e-Portfolio] also identisch mit Portfolio-Arbeit,
solange Reflektion und Arbeitsmethoden integraler Bestandteil sind,
was nicht immer der Fall ist in den Beispielen aus amerikanischer
Praxis.
Teaching
Portfolio
- "Teaching portfolios consist of a collection of evidence of teaching and related skills associated with the role of
a teacher. They are now very widely used, in the UK and elsewhere, for the assessment of a teacher's
competence in a formal programme of training in teaching and learning in higher
education. (...) Debate is moving on from descriptions of how to develop and present a portfolio of evidence about one's teaching to how to use portfolios
as part of wider educational development practice, involving such practices as mentoring and continuing
professional development."
- |Source: http://www.lgu.ac.uk/deliberations/portfolios/ |
Portfolio
Medienkompetenz
"Das Portfolio wurde als Instrument
für die Hand der Schülerinnen und Schüler entwickelt, damit sie ihre
persönliche Medienkompetenz nach außen dokumentieren können. Aus
Sicht der Lehrerinnen und Lehrer kann mit dem Portfolio auch die
schulische Arbeit an der Entwicklung eines Medienkonzeptes angeregt und
unterstützt werden."
| dazu
mehr bei: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomk/
und in Niedersachsen bei n-21: http://www.n-21.de/netzwerk/portfolio/portfolio.html
|
Dokumentiert Fähigkeiten und ist damit
analog zum European Language Portfolio zu sehen, aber legt keinen
direkten Schwerpunkt auf Methoden, Reflektion etc., auch wenn das in
der praktischen Arbeit möglich ist.
zurück
Portfolio-Arbeit:
Konkret - Deutsch als Fremdsprache in Finnland
Ich
habe Portfolio als Arbeitsmethode vor einigen Jahren durch Hannele
Kara, Deutschlehrerin an
der Norssi-Schule in Jyväskylä/Finnland (super Schule, sehr stark orientiert an den
Prinzipien des autonomen Lernens) kennen gelernt.
Hannele Kara beschreibt die
Portfolioarbeit detailliert in einem noch unveröffentlichten
Manuskript, Auszug:
"Im
schulischen Bereich wird mit Portfolio eine Dokumententasche oder –mappe
gemeint, d.h. eine Sammlung von Schülerarbeiten und Bewertungen, die
das Wissen und Können des Schülers repräsentieren soll. Die
Arbeiten für diese Sammlung sind von dem Schüler selbst gewählt und
bewertet worden. Charakter und Inhalt des Portfolios variieren nach
seinem hauptsächlichen Ziel. Das Portfolio kann eine Sammlung von mündlichen
|
mehr
zum mündlichen Portfolio |
und schriftlichen Schülerarbeiten sein, die das Lernen und den
Lernprozess sowie die Ergebnisse während einer bestimmten Zeit, z.B.
für die gesamte Dauer eines Kurses, eines Projektes usw. repräsentiert.
Es
gibt verschiedene Arten von Portfolios. Es kann eine Leistungsmappe
sein, in der die besten Arbeiten gesammelt wurden. Es kann eine
Entwicklungsmappe sein, in der solche Dokumente gesammelt wurden, die
die Entwicklung des Schülers am besten beschreiben. Und es kann auch
eine Repräsentationsmappe sein, in der die gelungensten Arbeiten
gesammelt worden sind. Das Portfolio ist also eine Prozess-, Kurs-,
oder Projektmappe. Die Form ist frei, und konkret kann das Portfolio
eine Mappe, ein Album, ein Videofilm, eine Kassette, eine Diskette,
eine WWW-Seite, eine Bildersammlung mit Texten usw. sein. Es gibt
eigentlich kein richtiges Modell für das Portfolio, sondern jeder
Lehrer kann mit den Schülern sein eigenes schaffen.
Die
äußere Form ist nicht so wichtig, dafür der Erzeugungs-, Auswahl-
und Bewertungsprozess, in dem der Schüler die ihm durchgeführten
Aufgaben während der gesamten Studienperiode reflektiert. Die Inhalte
und Qualität werden aus der Perspektive der Ziele, der allgemeinen
aber auch der von dem Schüler selbst für wichtig erachteten
Kriterien, bewertet und begründet. Die Bedeutung des Portfolios liegt
also vielmehr im reflektiven Prozess als in der Sammlung."
|
mehr
zum schriftlichen Portfolio |
zurück
Und
wie geht das im Englischunterricht ?
Das ergab sich mit Beginn
der Arbeit im Leistungskurs im Schuljahr 2001/2002. Ich stellte meinen
SchülerInnen die Prinzipien dieser Arbeitsform vor und bat sie im
1. Schritt: Sprachstand
beschreiben (self-assessment)
- mit Hilfe von 5
Stichwörtern und einigen Erläuterungen
2. Schritt: Level of
proficiency feststellen (self-assessment)
Zur Beschreibung der
"language skills" oder des "levels of proficiency"
diente der "global scale" der Einstufung aus dem
European Language Portfolio:
Proficient
User |
C2 |
Can understand with ease
virtually everything heard or read. Can summarise
information from different spoken and written sources,
reconstructing arguments and accounts in a coherent
presentation. Can express him/herself spontaneously, very
fluently and precisely, differentiating finer shades of
meaning even in more complex situations. |
| C1 |
Can understand a wide range of demanding, longer texts, and recognise implicit
meaning. Can
express him/herself fluently and spontaneously without much
obvious searching for expressions. Can use language flexibly
and effectively for social, academic and professional
purposes. Can produce clear, well-structured, detailed text
on complex subjects, showing controlled use of
organisational patterns, connectors and cohesive devices. |
Independent
User |
B2 |
Can understand the main ideas
of complex text on both concrete and abstract topics,
including technical discussions in his/her field of
specialisation. Can interact with a degree of fluency and
spontaneity that makes regular interaction with native
speakers quite possible without strain for either party. Can
produce clear, detailed text on a wide range of subjects and
explain a viewpoint on a topical issue giving the advantages
and disadvantages of various options. |
| B1 |
Can understand the main points
of clear standard input on familiar matters regularly
encountered in work, school, leisure, etc. Can deal with
most situations likely to arise whilst travelling in an area
where the language is spoken. Can produce simple connected
text on topics which are familiar or of personal interest.
Can describe experiences and events, dreams, hopes &
ambitions and briefly give reasons and explanations for
opinions and plans. |
Basic
User |
A2 |
Can understand sentences and
frequently used expressions related to areas of most
immediate relevance (e.g. very basic personal and family
information, shopping, local geography, employment). Can
communicate in simple and routine tasks requiring a simple
and direct exchange of information on familiar and routine
matters. Can describe in simple terms aspects of his/her
background, immediate environment and matters in areas of
immediate need. |
| A1 |
Can understand and use
familiar everyday expressions and very basic phrases aimed
at the satisfaction of needs of a concrete type. Can
introduce him/herself and others and can ask and answer
questions about personal details such as where he/she lives,
people he/she knows and things he/she has. Can interact in a
simple way provided the other person talks slowly and
clearly and is prepared to help. |
Source: Council
of Europe
- Verzichtet habe ich auf eine
Feindifferenzierung in understanding, speaking
und writing, aber die Kategorien und Kriterien des
European Language Portfolio sind dazu recht hilfreich und für
individuelle LernerInnen nachvollziehbar, so dass auch eine
feindifferenzierte Selbst-Einstufung damit möglich ist.
3. Schritt:
"self-assessments" einsammeln & feed-back
Nach einer Woche sammle
ich alle "self-assessments" ein und kommentiere sie kurz
schriftlich und mit konstruktivem feed-back. Selbsterfahrung nach 21
Jahren Englischunterricht: Spannend, auf diese Weise eine neue
Lerngruppe kennen zu lernen und erfreulich: Schülerinnen und
Schüler sind unglaublich gut in der Lage, ihren eigenen Lernweg und
ihre (methodischen) Erfahrungen zu reflektieren, sich Ziele zu
setzen, inhaltlich, arbeitstechnisch, methodisch. Für mich eine
sehr spannende Lektüre mit entsprechend großen Erwartungen an die
weitere Arbeit am Portfolio!
4. Schritt: Hinweise
auf Portfolio-Möglichkeiten
- Von nichts kommt nichts,
also: Am Anfang jeder Woche gibt's den Wochen-Arbeitsplan auf einer
Webseite, wobei mit farblichen Symbolen auf Möglichkeiten der
individuell vertiefenden Weiterarbeit im Rahmen der
Portfolio-Methode hingewiesen wird.
5. Schritt: Einsammeln
der Portfolios
Nach ca. vier Monaten
sammle ich die Portfolio-Mappen ein, nachdem ich vorher noch
schriftlich auf meine Erwartungen hingewiesen habe:
|
I’d
like to see items like the following in your Portfolio:
- analysis
of your mistakes in two “Klausuren”
- about
three examples of your homework
- individual
work you produced after a web-research
- a
critical reflection of your learning skills described at
the beginning of our course: what did you improve, what
have you actually learned, which methods have you
improved?
If
you feel like it: a critical feed-back concerning the
lessons, methods, contents, etc. is appreciated as well |
6. Schritt: feed-back
& Benotung
Wieder ausgesprochen
positive Leseerlebnisse sowohl bei den Texten als auch vor allem bei
der Reflektion der Methode und der "self-evaluation".
| Im
Detail: Beispiele von students'
feed-back & portfolio |
Erfahrungen &
Konsequenzen:
-
Portfolio-Arbeit als
Methode ist klasse, setzt aber immer wieder bewusstes
Methodentraining auf allen Ebenen der Arbeit im Englisch-Kurs
voraus, vor allem auch bei intensiven Internet-Aktivitäten und
hohem Anteil von Partner- und Gruppenarbeit,
-
"self-assessment",
"evaluation" und "self-evaluation" sind
wichtig, aber Erfahrungen und hilfreiche Beispiele sind sehr
selten zu finden
-
je intensiver die
Portfolio-Arbeit praktiziert wird, desto dringender wird das
gemeinsame Aushandeln des Benotungsanteils (wir hatten uns auf
30 % der mündlichen Note geeinigt),
-
die Benotung (grading)
und Benotungskriterien müssen anders sein, als bei der
traditionellen Arbeit: Inhalt und Sprache müssen natürlich
bewertet werden, aber auch Präsentation, Methode,
Arbeits-/Gruppenverhalten etc. sollten Bestandteile der
Bewertung sein, die vorher gemeinsam ausgehandelt
werden muss.
Grading
Wie grading
aussehen könnte, mag ein Blick auf Bewertungsverfahren und
-kategorien im Zusammenhang mit den WebQuests sein: Hier soll's
nicht um WebQuests | WebQuest-Webseite|
als solche gehen, sondern um Bewertungskriterien für eine
prozess-, methoden- und produktorientierte Arbeitsphase, wie sie sich im
Portfolio niederschlagen kann, einige Beispiele mögen dem
Denken weiterhelfen:
- Beispiele für grading
aus WebQuest-Projekten:
-
Für deutschsprachige WebQuests gibt's auf der
schweizerischen Babylonia-Webseite gute Beispiele für
differenzierte und vielfältige Bewertungen:
| Beispiele
deutschsprachiger WebQuests|
Wer weiter suchen
möchte: | hier
geht's zu vielen WebQuest-Pojekten|
Also: Es gibt einiges zu
tun, aber die Methode ist nicht nur spannend, sondern wird
notwendig, wenn die Internetaktivitäten einen hohen zeitlichen
Anteil der Arbeit im Englischunterricht einnimmt und wenn wir
anerkennen, dass Lernen von LernerInnen aus geht - und nicht mit
Unterrichten zu verwechseln ist ;-)
zurück
Links,
Literatur und mehr Infos
www.portfolio-schule.de
Arbeitstechniken: Portfolio: http://www.teachsam.de/arb/portfolio/portfolio_0.htm
Europäisches
Portfolio der Sprachen:
Zum Europäischen Portfolie
der Sprachen gibt es bei learn-line viele Infos |die
will ich| und Download-Angebote sowie beim Europarat |na
gut, dann die|
Das Kultusministerium
von Thüringen bietet zum Europäischen Portfolio der Sprachen
viele Informationen zum dortigen Modellversuch sowie gutes Material
zum Download | da
will ich hin |
Viele gute Infos
zu "Sprachportfolios" auf der "Austausch-NL"-Seite
e-portfolio
u.a.:
Der Bremer Bildungsserver
hat diverse interessante Links zum Thema e-Portfolio.
Achtung: Am Anfang geht's um das Europäische
Sprachenportfolio
mehr
zu Portfolio & Bildung in Finnland
Kalamazoo College - Outstanding
(electronic) portfolios - Informationen zum Kalamazoo
College Portfolio
Portfolio
Medienkompetenz: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomk/
Teaching
Portfolio: http://www.lgu.ac.uk/deliberations/portfolios/
Portfolio
Medien - Lehrerbildung (learn-line Nordrhein-Westfalen):
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/portfoliomedien/
ZUM - Deutsch
Portfolio: http://www.zum.de/wiki/index.php/Deutsch_Portfolio
Literatur:
Reinhard
Donath: "Portfolio-Praxis im Leistungskurs Englisch – school
reality sometimes bytes". In: Wolfgang Gehring (Hg.):
Fremdsprachenunterricht heute. BIS-Verlag der Carl von Ossietzky
Universität Oldenburg. Oldenburg: 2006. 57-65. |Manuskript
als word.doc|
ide-zeitschrift
für den deutschunterricht in wissenschaft und schule 1/02 -
"portfolio". Studien-Verlag, Postfach 104, A-6011
Innsbruck www.studienverlag.at
ISBN 3-7065-1718-3
Elsebeth K. Sorensen: "CSCL: Structuring the
Past, Present, and Future through Virtual Portfolios":
http://www.kommunikation.aau.dk/ansatte/es/publikationer/structuring.pdf
Håkon Tolsby: "Designing Virtual Portfolios for Communities of
Practice"
http://www.kommunikation.aau.dk/ansatte/es/publikationer/designing.pdf
"Portfolios
in the Finnish school"
(Aufsatz der
finnischen PISA-Beauftragten Pirjo Linnakylä vom
"Institute for Educational Research" an der Universität
Jyväskylä.): http://www.jyu.fi/ktl/publications/electronic/001/linnakyl2.htm
|