- Vernetztes
Lernen:
- Rezension aus GAPPMagazin

- Vom
Nutzen des Internet
- Tipps für
Pioniere auf dem Information Highway
Das Angebot kam aus heiterem
Himmel und direkt aus dem Computer: eine Studentin
der Yale University in Massachusetts fragte bei einem
Stuttgarter Gymnasium an, ob sie sich für einige
Monate als Fremdsprachenassistentin nützlich machen
könne. Sie sei gerade in Deutschland, arbeite an
einer Seminararbeit über junge Menschen in Europa
und würde gerne auch das Innenleben einer deutschen
Schule kennenlernen. Gefragt, warum sie gerade bei
dieser Schule nachfrage, kam eine verblüffend
einfache Antwort: es sei die einzige am Ort, die auf
ihrer Homepage ausführliche Informationen auf
englisch anbiete.
Womit zwei Dinge bewiesen sind:
Schulische Homepages im Internet werden gelesen und
sind kein spielerischer Selbstzweck, und
mehrsprachige Fassungen können für eine Schule
höchst nützlich sein. Wenn also der Klett-Verlag
mit seiner jüngsten Publikation in der Reihe
"Computer Praxis Fremdsprachen" Vernetztes
Lernen. Hypertexte, Homepages & ... (von
Andreas Borrmann und Rainer Gerdzen, Herausgeber
Reinhard Donath) genau dieses Thema aufgreift, so ist
er damit (wie schon bei den in der gleichen Reihe
erschienenen Heften e-mail und Englischunterricht
und Internet im Englischunterricht desselben
Herausgebers) auf der Höhe der Zeit und bietet den
Schulen, die schon "im Netz" sind oder
dorthin noch wollen, genau die Hilfestellungen, die
sie zum jetzigen Zeitpunkt dringend benötigen.
Was vor allem die
Computer-Laien unter den Lesern beruhigt und
ermutigt, ist die Geduld, mit der die Autoren in die
Terminologie und das technische Grundwissen der neuen
Informationstechnologien einführen, gezielt bezogen
auf die Anwendungen, die für den schulischen Betrieb
relevant sind. Und auch bei den
Projektbeschreibungen, mit denen sie den Nutzen des
Multi-Media-Einsatzes für den Schulbetrieb
konkretisieren, verlieren die Pioniere auf dem
Information Highway nie die praktische Machbarkeit
aus den Augen.
Zum Beispiel Schüler-Homepages
im Internet. Was bislang bei Briefpartnerschaften auf
dem Postweg und im Fremdsprachen-Anfangsunterricht
per Aushang im Klassenzimmer geschah, gewinnt jetzt
eine neue Dimension: Schüler verfassen kurze Texte
über sich selbst und stellen sie ins
Internet. Dort bleiben sie nicht isoliert, sondern
können zum Beispiel mit der Beschreibung der besten
Freundin oder des besten Freundes vernetzt werden.
Wer möchte, kann auf seiner persönlichen Homepage
auch gleich ein Fenster installieren, mit dessen
Hilfe der jeweilige Leser per Mausklick direkt eine
e-mail an die beschriebene Person absenden kann. Es
ist offensichtlich, wie hilfreich solch ein Verfahren
beim "matching" im Schüleraustausch sein
kann, und da auf diese Weise jeder Teilnehmer seine
persönliche e-mail-Adresse hat, kann er sich auch
noch in Windeseile mit seinem Partner oder seiner
Partnerin verständigen.
Ausführlich wird die
Gestaltung einer Homepage für die Schule
dargestellt, und selbstverständlich sollten die
Themen "Schulpartnerschaften" und
"Internationale Schulprojekte" darin eine
zentrale Rolle spielen aber bitte in der
gebotenen Kürze, denn viel Zeit zur Lektüre bringt
der Internet-Leser in der Regel nicht mit, und Seiten
umblättern ("Scrollen") mag er schon gar
nicht. Bei dieser Arbeit wird den Schülerinnen und
Schülern eindrücklich klar, worin der zentrale
Unterschied in der Produktion und Rezeption
elektronischer Botschaften gegenüber dem gewohnten
Brief oder Buch besteht: an die Stelle der
traditionellen linear-sequentiellen Codierung eines
Textes treten vielfältig untereinander vernetzte
Dokumente, die der Rezipient nach eigenem Gusto
abrufen und kombinieren kann: lesen wird interaktiv.
Wenn eine Schule ihre Homepage
multilingual gestaltet, bietet es sich natürlich an,
die Muttersprachler an den Partnerschulen um eine
idiomatische Korrektur des Textes zu bitten. Und ganz
besonders benutzerfreundlich ist es, per Hyperlink
die eigene Homepage mit denen der Partnerschulen zu
verknüpfen.
Weniger für den
Schüleraustausch, wohl aber für einen
zukunftsorientierten Fremdsprachenunterricht
hilfreich sind einige der literarischen Projekte, die
von den Autoren beschrieben werden. Dazu zählen die
Recherche im Internet oder die mediengerechte
Aufarbeitung der Aspekte eines literarischen Werkes
in vernetzbare Module, wie sie der Computer nun
einmal verlangt. Aus dieser Aufsplittung ergibt sich
die Notwendigkeit der Teamarbeit, der sorgfältigen
Zeitplanung und natürlich der sinnvollen
Vorab-Strukturierung des geplanten Netzes. Der
Ratschlag, alle Texte erst schriftlich zu fixieren,
ehe sie in den Computer eingegeben werden, soll
Schüler-Staus vor den oft nur in geringer Zahl
vorhandenen Computern vermeiden helfen. Schließlich
überzeugt auch der Gedanke, allen Homepage-Seiten
der Schule ein identisches Seiten-Layout zu geben, um
in dem tendenziellen Chaos des Internet wenigstens
eine optische Kohärenz der eigenen Seiten zu
gewährleisten.
Karl Waiderlich
aus: GAPPMagazin
Ausgabe 1/99, S. 14
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