Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft
 
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Words in Context: Eine Besprechung

Maike, Kurt Cobaine und das Vokabellernen ...

Maike, frisch im 12. Jahrgang, sitzt hochmotiviert in ihrem neuen Leistungskurs Englisch und hört sich die Kursplanung des Englischlehrers an. Klingt interessant, findet sie, wundert sich aber kurz darauf über die Nachfragen und Anmerkungen von Sabine, die mit unüberhörbarem amerikanischen Dialekt fließend und in wohlgesetzten englischen Worten vorgetragen werden. "Ein Jahr USA hätte ich machen sollen, das hätte es gebracht!", geht’s ihr durch den Kopf, "mir fehlen immer die passenden Vokabeln." Das wird ihr in der nächsten Doppelstunde sogar noch deutlicher, als der Lehrer einen kleinen Rundumschlag zum Thema "Literary Analysis" macht und ihr alle möglichen Fachtermini fehlen. "Nun aber endlich was tun", denkt sie sich auf dem Weg nach Hause, "work works!"
Nach der Entspannung durch Kurt Cobaine startet sie ihren Rechner und ruft WIC auf: Kletts "Words in Context" mit über 2500 Vokabeln, nach 32 Themen der Oberstufe geordnet.

....ihr stream of consciousness läßt tief blicken

Mal "Datei" anklicken und "Themenauswahl". Huch, das sind ja ganz schön viele. "Background USA" könnte ich mal durchgehen, "Women in Society" auch, aber erstmal "Literature" anklicken und "Start". Was muß ich jetzt noch tun, ach so, "Üben" anklicken - super, da geht’s ja schon los, das englische Wort links, das deutsche rechts, unten Verwendung der Vokabel in einem Satz. Return-Taste, Wahnsinn, der Rechner spricht mit mir, "superfluous" hat er eben ausgesprochen, komische Betonung.

Gut, daß Pascal, die kleine Nervensäge, für unseren Rechner neulich eine Soundkarte angeschafft hat. Auch mit "omniscient narrator" hätte ich sonst doch ziemliche Ausspracheprobleme. Uff, 85 Vokabeln, die müssen aber ja nicht gleich alle gelernt werden, also erst einmal auf die Hälfte konzentrieren und den Zwischenstand abspeichern. Teatime, Kurt Cobaine wartet auf mich.

Nächste Runde: Ich werde mal die gerade wiederholten Vokabeln üben. Ein Klick im Menu und die Vokabeln werden abgefragt. Eintippen, OK kommt vom Bildschirm, das Wort wird auch noch einmal ausgesprochen, der Bobby verneigt sich, das klappt ja ganz gut. Verdammt, was heißt noch "Schlüsselroman"? Shift-F 4 Hilfe, achja, "roman á clef" das war’s, weiter geht’s: "initiation", "readability", "flashback", alles bekannt, aber wie schreibt sich noch "stream of consciousness"? Das Programm signalisiert einen Fehler, also doch ohne Bindestrich, naja, das muß ich mir auch unbedingt merken. Noch ein paar Vokabeln, bitte: Oh nein, nicht schon wieder "Schelmenroman", das kann ich mir einfach nicht merken! F 9, Lexikon nachschlagen, ja, genau, "picaresque novel" war’s. Der Bobby nervt mit seinem Kopfschütteln bei zu häufiger falscher Eingabe, den muß man doch irgendwo abschalten können, ach so, "Einstellungen" mal anklicken, jetzt ist er weg.

Schönes Englisch hat der Sprecher übrigens, nuschelt nicht so wie Kurt, klingt eigentlich sogar viel angenehmer, diese britische Aussprache. Noch 7 Vokabeln, vier habe ich nicht gewußt, kann ich alles unten auf dem Bildschirm sehen, eigentlich ja ein ganz gutes Ergebnis. Fertig, wow, mal sehen, wie mein heutiges Ergebnis war, super, 91 % gewußt, wenn auch einige der Vokabeln erst durch Hilfefunktionen kamen, naja.

Was kommt jetzt? Zweiter Durchgang: Die Vokabeln werden im Kontext abgefragt. Sind ja ganz sinnvolle Sätze. Wenn ich einige davon in der nächsten Klausur bringe, ist Dt aber beeindruckt. Ah ja, ich kann mir erst alle Sätze ansehen, klicke auf die Lücken und kriege das fehlende Wort sowie unten eine Erläuterung auf Englisch. Und da taucht ja auch wieder "superfluous" auf, merkwürdig, daß die Betonung auf der zweiten Silbe liegt, das hätte ich über ein normales Wörterbuch gar nicht mitgekriegt. Genug, keine Lust mehr zum Lesen der Kontextübungen, die hebe ich mir für morgen auf.

Morgen mach ich den Härtetest. Ich laß mir die gesamte Übung ausdrucken. Dann habe ich alle Sätze auf Papier, bei denen die entsprechenden Vokabeln fehlen, Die setz ich spaßeshalber mal per Hand ein und schau dann nach, wie gut ich mittlerweile geworden bin. Wär doch gelacht, wenn ich das Wort "insipid" nicht endlich in meinen Schädel kriegen würde! Und die anderen 31 Themen hau ich mir nach und nach in den Kopf, die kommen schließlich auch im Unterricht alle irgendwie noch mal dran.

Couldn’t agree more, sagt sich Maikes Englischlehrer. Schöne individuelle Übungsmöglichkeit mit sehr sinnvoller kontextueller Einbettung des Vokabulars. Wenn die 2.500 Wörter nicht nur im Kopf sitzen, sondern mündlich und schriftlich korrekt angewandt werden, hilft das der Sprachkompetenz ganz schön weiter. Die verschiedenen Übungs- und Testmöglichkeiten sind gut, die Hilfefunktionen wahrlich hilfreich - und das feed-back auf die Eingabe immer recht ermutigend, selbst bei schmerzhaften Fehlern (ob mein feed-back im Unterricht auch so ermutigend ist??). Wohl dem, der eine Soundkarte sein eigen nennt, denn die Aussprache aller Wörter ist ungemein hilfreich für das Vokabellernen. Und selbst ohne keyboard unter den Fingern ganz traditionell die Rechtschreibung der gelernten Wörter anhand des Ausdrucks im Kontext anwenden zu können, ist doch ein gutes Angebot an Schülerinnen und Schüler, die nach dem Motto work works handeln wollen. Ich finde: Value for money!

WORDS IN CONTEXT, Klett-Heureka PC 3,5’’ HD Nr. 3-12-133112-4, 68 DM

Systemvoraussetzungen: IBM-kompatibler PC/AT, 640 KB RAM, MS-DOS ab 3.3 oder DR-DOS (alle Versionen), HD-Diskettenlaufwerk, Soundblaster empfehlenswert

<c> Reinhard Donath 29-08-95 (well, long time ago it seems, and still a good one!)

 

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Englischunterricht in der Informationsgesellschaft

© Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft 1997 ff. - Stand: 13-06-99