Schule & Informationsgesellschaft - Kompatibilitätsprobleme... 1997: Es tut sich viel in deutschen Landen: Internet, World Wide Web, Schulen ans Netz, Informationsgesellschaft und Multimediatechnologien sind Stichwörter, die durch alle Medien schwirren. Bedingungslose Befürworter der schulischen Nutzung des Internet verheißen eine prompte Informationsbeschaffung, quasi information-on-demand, während kulturpessimistische Kritiker dräuend den Finger erheben und auf die Unvereinbarkeit von Lernen und digitaler Datenautobahn verweisen.
Kaum haben die deutschen Printmedien in jahrelanger Schreibarbeit Deutschland als Entwicklungsland der Informationstechnologien dargestellt, das Bildung in Zeiten der Datenströme ohne Computereinsatz stattfinden läßt,
da mehren sich auch schon wieder die medialen Entzauberer des digitalen Klassenzimmers, das sie gerade noch gefordert haben.
Bei allem Respekt vor der journalistischen Arbeit und der Erzeugung eines öffentlichen Drucks: Überzeugender sind für mich die pädagogischen und vor allem (fach-)didaktischen Ansätze. Hier möge der Artikel "Schulen ans Netz: Top oder Flop?" von Heinz Moser stellvertretend für viele lesens- und bedenkenswerte Anregungen stehen. Moser weist überzeugend darauf hin, daß es vor allem die "Veränderung des schulischen Lernens" ist, die über Erfolg oder Mißerfolg der Internetnutzung in der Schule entscheidet. Dem kann ich nur zustimmen!
Am Ende des Jahres 1997 hält Bundespräsident Herzog seine vielbeachtete Rede (wie es so schön heißt): Aufbruch in der Bildungspolitik (Berlin, 5. November 1997). Was daraus geworden ist, kann im April 1999 anlässlich des Bildungskongresses in Bonn nachgelesen werden, auf dem der Bundespräsident eine weitere programmatische Rede hält. Erfreulicherweise ist zumindest bildungspolitisch und publizistisch einiges passiert, was im Frühjahr 1999 deutlich wird. Nun sind wir aber dran! Durch Schulen ans Netz, die gemeinsame Initiative von Deutscher Telekom AG und Wissenschaftsministerium haben Tausende von Schulen einen sanft subventionierten Zugang zur Datenautobahn erhalten. Diese Form der Anschubfinanzierung ist bitter nötig, auch wenn sie anfangs nur stockend in den Schulen ankam, häufig nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war und ist und Kritik an der Umsetzung aus der Perspektive der Vordenker dieses Projektes nicht unbeachtet bleiben sollte:
Alles nur eine digitale Seifenblase? Nein, aber es gilt, aus der medialen Hype die Luft herauszulassen und zu zeigen, wozu das Netz der Netze in der Schule nutzbar sein kann. Das soll unter anderem am Beispiel von Web-Units deutlich gemacht werden, aber auch durch Überlegungen zur Veränderung des Englischunterrichts durch den Einsatz des WWW.
© Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft 1997 ff. - Stand: 18-03-2001 |