Reinhard Donath: Englischunterricht in der Informationsgesellschaft
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Aktuelle Situation 2000

  kostenlose Internetzugänge für alle Schulen
  Förderprogramm neue Medien (BMBF)
  ernstzunehmende Kritik (ZEIT)
  und was läuft in Niedersachsen?
  Rede des Bundespräsidenten (14. 7. 2000)

 

...und endlich im Jahre 2000 regt sich doch einiges:

"Kostenloser Internet-Zugang für Schulen

Das gemeinsam von Bundesbildungsministerium und Deutscher
Telekom vor drei Jahren initiierte Projekt „Schulen ans Netz“, in
dessen Verlauf bisher über 13 000 Schulen ans Internet
angeschlossen wurden, wird forciert fortgeführt. Die Deutsche
Telekom bietet nun allen rund 40 000 Schulen in Deutschland die
Ausstattung mit einem kostenlosen ISDN-Anschluss und
T-Online-Zugang an. Zudem müssen die Schulen kein Telefon-
und kein Online-Entgelt für die Internet-Nutzung zahlen.
Zusätzlich erhalten die Schulen eine eigene Homepage und
können jeweils bis zu 10 000 eigene E-Mail-Adressen einrichten.
Darüber hinaus wird über ein separates Schülerportal der
Bildungsbereich von T-Online ausgebaut werden."

Quelle: http://www.telekom.de/initiative-telekom/ (11-02-2000)

Auszug aus der Rede von Ron Sommer (11. 2. 2000)

Details: http://www.san-ev.de

Klickworte: Förderung - 5. Ausschreibung (dort am Schluß auch Antragsformulare etc.)

 

Förderprogramm neue Medien (BMBF) - 400 Millionen DM 

Am 20. März 2000 verkündet die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn ein 400 Millionen Mark schweres Bildungssoftware-Programm:


"Die Bundesregierung wird in den nächsten fünf Jahren für die Entwicklung von Lernsoftware für Schulen, Hochschulen und Berufsbildung 400 Millionen Mark bereitstellen. „Wir öffnen mit dem Mausklick den Zugang zum Wissen der Welt. Unsere Kinder und Jugendlichen sollen fit sein im Umgang mit neuen Medien."Mit dem Mausklick den Zugang zum Wissen der Welt öffnen".

zit. nach: http://www.bmbf.de/deutsch/aktuell/i_032000.htm (03-04-2000) nicht mehr online

Der Schulpraktiker fragt sich verwundert: Lernsoftware entwickeln? Gibt's denn nicht schon genug (nicht immer überzeugende) und kann das denn überhaupt gehen: bei der Vielfalt der Fächer, Schulformen, Themen. Lernvoraussetzungen. Wird hier die digitale Quadratur des Kreises angestrebt?

"Angesichts der bildungs-, sozial- und wirtschaftpolitischen Bedeutung fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) diese Entwicklungs- und Erprobungsprozesse elektronischer Lernmedien. Ziel des Programms ist es,
Mehrwert durch die Computernutzung im Bereich des Lehrens und Lernens zu schaffen, den Strukturwandel im Bildungsbereich voranzutreiben, der durch die Globalisierung und die IuK-Techniken induziert ist, den Markt für Lernsoftware, dem weltweit zweistellige Zuwachsraten prognostiziert werden, in der Bundesrepublik Deutschland zu stimulieren, und eine eigenständige nationale Lernkultur bewahren zu helfen. 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft, Ländern und Kommunen dazu beizutragen, dass Deutschland bis zum Jahr 2005 eine weltweite Spitzenposition bei Bildungssoftware einnimmt."

" Ziel der Förderung des BMBF im Schulbereich ist es, ein ausreichendes Angebot an kommerzieller Lehr-/Lernsoftware für alle geeigneten Fächer zu schaffen, die Integration digitaler Materialien in den Unterricht zu erreichen. 

Bereitstellung, Verarbeitung und Vermittlung von Wissen durch pädagogisch hochwertige
Bildungssoftware muss dabei den spezifischen Bedürfnissen von Schulen, Lehrerinnen und
Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern gerecht werden. Die entwickelten multimedialen
Bildungsangebote müssen dabei eine vielfältige Nutzbarkeit gewährleisten. Statt einer
multi-medialen Lerneinheit, die eine Lehrveranstaltung reproduziert, sollen Angebote entstehen,
die Lehrende und Lernende flexibel auf ihre Bedürfnisse anpassen und, wo sinnvoll, auch
fächer-übergreifend einsetzen können
. Die Akzeptanz für professionelle Softwareentwicklungen
wird sich auf Dauer nur einstellen, wenn sie Eigenentwicklungen nicht nur inhaltlich überlegen
sind, sondern auch hinsichtlich ihrer Handhabbarkeit längerfristig Vorteile bieten."

zit. nach: http://www.bmbf.de/deutsch/aktuell/i_032000a.htm (03-04-2000) nicht mehr online

Harren wir der Dinge, die da kommen mögen...

Ernstzunehmende Kritik (ZEIT 30. März 2000)

Verheißung Internet 
Alle Schulen ans Netz - ist das die Lösung?
Von Susanne Gaschke DIE ZEIT v. 30.03.00

Offenbar fällt es den Menschen schwer, längere Zeit ohne
Verheißung zu leben, ohne Aussicht auf eine bessere Welt,
ohne Utopie. Nach dem Ende des Realsozialismus kam es
zu einer vorübergehenden Desorientierung, doch jetzt
zeichnen sich die Konturen eines neuen Heilsversprechens
ab: Die neue Lehre heißt Internet. Sie beeindruckt Rechte
und Linke gleichermaßen, und sie lebt von der Hoffnung, der
vernetzte Computer werde die Beziehungen der Menschen
zueinander revolutionieren und deren Verständnis füreinander
fördern. Sie werde der Demokratie aufhelfen, wo Unfreiheit
herrscht, und sie wiederbeleben, wo ihre Subjekte
verdrossen sind. Sie werde eine von Mühsal freie
Wirtschaftsweise entstehen lassen, Arbeit schaffen und
denjenigen den Zugang zum guten Leben eröffnen, die bisher
davon ausgeschlossen waren.

Wie es für sehr überzeugte Menschen typisch ist, reagieren
die Verkünder der Internet-Lehre auf Einwände ziemlich
ungnädig: Skepsis gilt ihnen als Kulturpessimismus, dieser
wiederum als Ausdruck von Reaktion und Gestrigkeit,
mangelnder "Zukunftsfähigkeit" und Spielverderbertum. In
Deutschland hat sich neuerdings Bundeskanzler Schröder
an die Spitze der Bewegung gesetzt: Jeder Jugendliche
müsse die Chance haben, sich schon in der Schule mit den
neuen Medien vertraut zu machen, erklärt er unablässig. Die
SPD wirbt mit großen Anzeigen für Schröders Initiative
"Schulen ans Netz". Columbus, heißt es darin, habe viele
Jahre reisen müssen, um die Welt zu entdecken - unsere
Schüler "brauchen dafür nur einen Vormittag im Internet".
Ein sozialdemokratisches Zukunftsmanifest beschreibt die
Wünsche, die Bundesbildungsministerin Bulmahn und der
nordrhein-westfälische Ministerpräsident Clement mit der
Verkabelung verbinden: "Wir wollen die neuen Medien zu
einem Instrument machen, mit dem soziale Unterschiede
bei den Bildungschancen ausgeglichen werden können."
Nun wäre gegen eine vernünftige Diskussion darüber, wie
und vor allem: wozu neue Medien im Schulunterricht
eingesetzt werden sollen, überhaupt nichts einzuwenden.
Aber so, wie die Debatte gegenwärtig von Sozial- wie
Unionsdemokraten, von Liberalen wie Grünen geführt wird,
bleibt sie unbefriedigend, weil sie ganz und gar im
Affirmativen verharrt.

Die Internet-Kampagne drängt andere, grundsätzlichere
Problemen der Schulen in den Hintergrund. Aufmerksamkeit
ist eine knappe Ressource: Leicht kann der öffentliche
Eindruck wachsen, unser Bildungswesen kranke vor allem
am Computermangel. Dass das nicht stimmt, kann jeder
Schulpraktiker bestätigen: Noch immer sind räumliche Enge
und Unterrichtsausfall, der katastrophale Zustand der
Schulgebäude und die Lehrbücher aus den achtziger Jahren
die zentralen Hardware-Probleme der Schulen. Hinzu kommt
eine immer stärkere Inanspruchnahme des Fachunterrichts
für primäre Erziehungsaufgaben, die die Familien heute aus
unterschiedlichen Gründen nicht mehr erfüllen. Auch fehlen
allerorten Mittel, um ausländischen Kindern jenen intensiven
Deutschunterricht zu ermöglichen, der ihre Integration in
unsere Gesellschaft erlauben würde.

Gewiss ist es wenig populär, funktionierende Toiletten geg